"Nationalschriften"

Als "Nationalschriften" bezeichnet man bzw. bezeichnete man früher eine Gruppe von Schriften, die eine Weiterbildung der Halbunziale in spätantiker und frühmittelalterlicher Zeit darstellen; sie sind in verschiedenen Gegenden in unterschiedlicher Stilisierung überliefert. Es handelt sich im wesentlichen um:
  • die merowingische Schrift in Frankreich
  • die Sinaischrift, d.h. die Schrift der lateinischen Hadnschriften der Klöster auf dem Sinai
  • die westgotische Schrift in Spanien
  • die rätische Schrift im Alpenraum
  • die beneventanische Schrift in Süditalien
  • die insulare Schrift in England, Schottland und Irland (und teilweise in deren Missiongebiet auf dem Kontinent)

Die "Nationalschriften" werden von der karolingischen Minuskel verdrängt, und zwar im karolingischen Reich noch im 9. Jahrhundert, in Spanien vom 11., auf den Inseln vom 12. Jahrhundert an. Die beneventanische Schrift geht im 13. Jahrhundert direkt in die gotische Schrift über.

Eine selbständige Weiterentwicklung der jüngeren römischen Kursive ist die sog. römische Kuriale: das ist die hochstilisierte Schrift der ältesten päpstlichen Urkunden. Auch sie wird im 11. Jahrhundert von der karolingischen Minuskel abgelöst.

Mehr zu den Nationalschriften:


zum Wegweiser zur alphabetischen Gesamtübersicht      zur Seite "antike lateinische Schrift" zur Seite "karolingische Minuskel"