Jahresanfang

Der heute gebräuchliche Jahresanfang am 1. Januar kommt in früherer Zeit eher selten vor. Es gibt vielmehr eine ganze Reihe verschiedenerJahresanfänge, die manchmal in einer Kanzlei sogar nebeneinander verwendet werden. Man bezeichnet die Jahresanfänge auch als "Stil". Die häufigsten Stile sind:
  • 25. Dezember (Weihnachtsstil): der logische Jahresanfang bei Zählung nach Christi "Geburt"! Im Mittelalter häufig gebraucht;
  • 1. Januar (Circumcisionsstil, nach dem Fest Circumcisio domini – Beschneidung des Herrn): üblich in der Antike in der römischen Kaiserzeit und für die spanische Ära, dann erst wieder vom 15. Jahrhundert an häufiger verwendet;
  • 1. März (altrömischer Stil): zur Zeit der römischen Republik, später in Venedig (dort offiziell bis 1797);
  • 25. März (Annuntiationsstil, Florentiner Stil, Trierer Stil, nach dem Fest Mariä Verkündigung): häufig in Italien, in Deutschland vor allem in Trier, in England bis 1752;
  • Ostern, d.h. wechselnd vom 22. März bis 25. April (Osterstil): im mittelalterlichen Frankreich, in Köln. Führt zu Jahren mit 11 oder 13 Monaten;
  • 1. September oder 24. September: bei Angabe der Indiktion.

Im Vergleich zur heutigen Zählung beginnt das Jahr im Weihnachtsstil und bei der Indiktion vor dem heutigen Neujahrstag, im altrömischen, Annuntiations- und Osterstil nach dem heutigen Neujahrstag. (Ausnahme: in Pisa beginnt das Jahr nach Annuntiationsstil vor dem heutigen Neujahrstag.)


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