Lehrstuhl für Schulpädagogik
Stimmscreening für Lehramtsstudierende und Lehrkräfte

Stimmscreening für Lehramtsstudierende und Lehrkräfte

Der Lehrberuf ist ein Hochleistungssprechberuf

In der Klassifikation von sprechintensiven Berufen abhängig von Stimmqualität und Stimmgebrauch werden Lehrkräfte zu den professional voice users gezählt [1, 2]. Zugleich gelten sie als high-risk Berufsgruppe für Stimmstörungen [3]. Internationale Studien zeigen auf, dass Lehrkräfte signifikant häufiger an Stimmstörungen erkranken als Nicht-Lehrkräfte [4,5, 6]. Die Stimme ist im schulischen Tätigkeitsprofil neben berufsspezifischen Risikofaktoren (z. B. Sprechpensum, akustische Voraussetzungen) [7] unterschiedlichsten psychischen Belastungen (z. B. Stress aufgrund mangelnder Distanzierungsfähigkeit von Arbeitssituationen o.ä.) [8] ausgesetzt. Da die Stimme den kommunikativen Interkations- und Arbeitsprozess mitsteuert, beeinflussen Stimmstörungen nicht nur die Person selbst, sondern schmälern zum Teil erheblich die Lehr- und Unterrichtsqualität. Mehrfach belegt sind die negativen Auswirkungen von heiseren Lehrstimmen auf die Verstehensleistung, Erinnerungsfähigkeit, Disziplin oder auf den Lernzuwachs der Schüler*innen [9]. Aufgrund der Vorbildfunktion einer Lehrkraft ist ihr stimm-, sprech- und spracherzieherische Einfluss auf Schüler*Innen nicht zu unterschätzen (vgl. funktioneller Nachvollzug).

Personen bei Stimmscreening

Digitales Stimmscreening an der Universität Passau

Die Stimme der Lehrkraft trägt zu professionellen Handlungskompetenz bei und ist ein wichtiger Teil der beruflichen Identität [10, 11]. Für Aufmerksamkeit, Verständlichkeit und den Eindruck von Kompetenz sind bei Lehrer*innen eine variable Stimme sowie eine klare Sprechweise grundlegende Voraussetzungen. Die stimmliche Gesundheit bei Berufssprecher zählt von Beginn an. Um frühzeitige Sensibilisierung, Aufklärungsarbeit und Beratung zu leisten, bietet der Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Passau in Zusammenarbeit mit dem Sportzentrum ein digitales Stimmscreening an.

Angebote

Sprech- und Singstimmfeld

Messung erhebt folgende Daten
  • Leistungsfähigkeit der Sprechstimme
  • Umfang und Dynamik der Stimme
  • Stimmqualität (Rauschanteil, Rauheit und Tragfähigkeit der Stimme)
  • Normstimmfeldabdeckung
  • Vospector-Qualitätsmessung (Schweregradindex)
Dauer:   45 Minuten
Ort:       Labor für Leistungsdiagnostik im Sportzentrum der Universität Passau
Kosten:  52 € inkl. 19% MwSt. für berufstätige Lehrkräfte | für Studierende kostenfrei
Auswertung Stimmscreening

Stimmbelastungstest

Ist die stimmliche Konstitution gesund und stabil, kann die Stimme in der Regel sechs bis acht Stunden pro Tag problemlos eingesetzt werden. Wird sie jedoch im Tagesverlauf dünner und leiser, können Ermüdungserscheinungen der Stimme Tendenzen auf das Vorliegen einer Stimmstörung geben.

Im Verfahren werden überprüft
  • Ausdauer- und Belastungsfähigkeit der Sprechstimme
  • Lautstärke und Grundton
  • hörbare Veränderungen der Stimmqualität (Rauheit, Behauchtheit)

Dauer:    30 Minuten
Ort:        Labor für Leistungsdiagnostik im Sportzentrum der Universität Passau

Kosten:   45 € inkl. 19% MwSt. für berufstätige Lehrkräfte |für  Studierende kostenfrei

Im Zuge der objektiven Erhebung werden die aufgenommenen stimmlichen Parameter sofort computergestützt ausgewertet. In der anschließenden individuellen Beratung werden gemeinsam die Daten mit konkreten Trainingsempfehlungen besprochen. Dabei werden wertvolle Tipps zur Stimmhygiene und zu „voice-care-pakets“ gegeben.

Die Begutachtung der aufgenommenen Stimme erfolgt nach stimmpathologischen Gesichtspunkten sowie nach hörbaren ergänzenden pathologischen Befunden (z B. Dyslalie, Stottern). Neben der arbeitsmedizinischen Begleitung durch einen HNO-Arzt erfolgt die stimm- und sprechpädagogische Betreuung durch Frau Dr. Elke Krauser (wissenschaftliche Mitarbeiterin, akademische Stimm- und Sprachtherapeutin). Das Stimmdiagnostik-Protokoll der European Laryngological Society (ELS), der Voice Handicap Index (VHI/SSI) [12] sowie der Fragebogen zur Erfassung des stimmlichen Selbstkonzeptes [11] stellen die Basisprotokolle der Stimmuntersuchung dar.

Für telefonische Vereinbarungen und/oder bei weiteren Fragen sowie für nähere Details können Sie sich gerne informieren unter
elke.krauser@uni-passau.de | 08515092964.

Literatur

Literatur

[1]    Voigt-Zimmermann, S. & Werner, R. (2009). Die un(v)-ermessliche Wirksamkeit der Stimmtherapie – Praxisbeispiele in der wissenschaftlichen Betrachtung. Tagungsband zum 10. Dbs-Symposium 2009 in Hannover. Köln: Prolog

[2]    Vilkman, E. (2000). Voice problems at work. Folia Phoniatrica et Logopedica, 52, 120-125.

[3]    Aghadoost, O; Amiri-Shavaki, Y.; Moradi, N. & Jalai, S. (2013). A Comparison of Dysphonia Severity Index in Female Teachers With and Without Voice Complaints in Elementary Schools of Theran, Iran. Nursing and Midwifery Studies 1, 3, 133-138.

[4]    Behlau M.; Zambon F.; Guerrieri A. C.; Roy N. (2012). Epidemiology of Voice Disorders in Teachers and Nonteachers in Brazil: Prevalence and Adverse Effects. In: Journal of Voice 26 (5), S. 665. e9–665.e18.

[5]    van Houtte E., Claeys S., Wuyts F., van Lierde K. (2011). The impact of voice disorders among teachers. Vocal complaints, treatment-seeking behavior, knowledge of vocal care, and voice-related absenteeism. In: Journal of voice : official journal of the Voice Foundation 25 (5), S. 570–575.

[6]    Roy N.; Merrill R.; Thibeault S.; Parsa R.; Gray S.; Smith E. (2004a). Prevalence of Voice Disorders in Teachers and the General Population. In: Journal of Speech, Language, and Hearing Research 47 (2), S. 281–293.

[7]    Lemke S. (2017). Stimmauffälligkeiten vor und nach Aufnahme der Berufstätigkeit als Lehrer/-in. In: Fuchs M. (Hrsg.). Die Stimme im pädagogischen Alltag. Kinder- und Jugendstimme. Berlin: Logos Verlag, S. 23 – 35.

[8]    Scheuch K., Haufe E., Seibt R. (2015). Teachers' Health. In: Deutsches Ärzteblatt international 112 (20), S. 347–356.

[9]    Voigt-Zimmermann S. (2017). Auswirkungen zur heiseren Stimme von Pädagogen auf die Leistungen von Kindern. In: Fuchs M. (Hrsg.). Die Stimme im pädagogischen Alltag. Kinder- und Jugendstimme. Berlin: Logos Verlag, S. 37-47.

[10] Lemke S. (2012) Stimmintensiver Beruf Lehrer/in: Voraussetzungen – Ausbildungsbedingungen – Projekte. In: Gaul G, Lang S (Hrsg) Voice Coaching – zum richtigen Umgang mit der Stimme im Leh­rerberuf. Schneider, Hohengehren ;

[11] Nusseck M., Spahn C..(2013). Fragebogen zur Erfassung des Stimmlichen Selbstkonzepts (FESS). Unveröffentlichtes Iteminventar, Freiburg

[12] Nawka T., Gonnermann U. Stimmstörungsindex (SSI) (2003). In: Gross M. (Hrsg). Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte. Median Verlag, 2003: 375–379.

Presse

Gut bei Stimme - Lehrstuhl für Schulpädagogik screent angehende Lehrkräfte.

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