Professur für Politikwissenschaft (Politische Theorie und Ideengeschichte)
BMBF-Projekt

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Landschaften der Verfolgung. Teilprojekt: Dikatur und Gewissen

Vernehmungsraum der Stasi in Leipzig
Quelle: https://flickr.com/photos/91994044@N00/7710657030

Die Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte übernimmt ab dem 1.1. 2019 ein Teilmodul in dem auf vier Jahre angelegten Verbundprojekt: Landschaften der Verfolgung. Forschungsverbund zur Erfassung und Analyse der politischen Repression in SBZ und DDR. In diesem  vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt soll eine Datenbank nach dem Muster der Holocaust-Opfer-Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem geschaffen werden, in der alle Opfer politischer Verfolgung in SBZ und DDR mit ihrem Namen, persönlichen Daten und, soweit möglich, ihren Biografien, einem Foto, aussagekräftigen Schlüsseldokumenten und einem Zeitzeugeninterview verzeichnet werden.

Ziel des Gesamtprojekts ist es, durch die möglichst vollständige Datenerhebung weitergehende Forschung zu ermöglichen, wozu z. B. die Untersuchung langfristiger Gesundheitsfolgen bei Opfern des DDR-Unrechts sowie die Erforschung der rechtlichen Grundlagen und mentalen Auswirkungen von Haft und Verfolgung gehören.
Das Passauer Teilprojekt Diktatur und Gewissen befasst sich mit der Ideenwelt von Verfolgten und Verfolgern. Was motivierte die mit der Durchführung der Repression beauftragten Institutionen bei ihrem Handeln? Welche Rolle spielte dabei die kommunistische Ideologie und wie wurde diese in unterschiedlichen Perioden jeweils gedeutet und zur Legitimation der Repression eingesetzt? Spielten auch ältere tradierte Vorstellungen, zum Beispiel von Recht und Ordnung, eine Rolle, und wie spiegelten sich diese im Denken der handelnden Personen? Wie legitimierten die Ausführenden vor sich selbst und ihrer Umgebung ihre Handlungen?
In analoger Weise stellen sich diese Fragen auch für die Verfolgten, deren Motivation oftmals nur durch die Interpretation (halb-)öffentlicher Selbstzeugnisse erschlossen worden ist. Welche tieferliegenden Motive veranlassten sie, einen anderen Weg als die Mehrheitsgesellschaft einzuschlagen? Waren dabei vor allem individuelle Wertvorstellungen, religiöse Überzeugungen, aus dem Westen entlehnte Ziele oder überlieferte Werte aus dem Elternhaus oder der sozialen Umgebung von Bedeutung? Oder waren es die Erfahrungen mit dem Alltag in der sozialistischen Gesellschaft, die sie zur Auflehnung veranlassten? Welche Folgen hatten schließlich die Unterdrückungsmaßnahmen? Gelang es der SED, die Abtrünnigen durch Repression und Umerziehung für das Regime zurückzugewinnen, oder verstärkte sich dadurch nur die Distanz zur SED-Diktatur?
Die Partner des Verbunds, dem federführend  Prof. Jörg Baberowski vom Lehrstuhl für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin vorsteht,  sind neben ihm und der Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Passau die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, das Menschenrechtszentrum Cottbus, die Robert-Havemann-Gesellschaft, die Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam, Prof. Dr. Johannes Weberling von der Viadrina in Frankfurt/Oder sowie Prof. Dr. Isabella Heuser und Prof. Dr. Stefan Röpke von der Charité- Universitätsmedizin in Berlin.