Professur für Kunstpädagogik/Ästhetische Erziehung
Lernen durch Imagination

Lernen durch Imagination

Der Begriff Imagination bezeichnet allgemein die menschliche Fähigkeit abwesende Gegenstände, Sachverhalte oder Vorgänge zu vergegenwärtigen. Erstaunlich ist, dass die Pädagogik bisher nur sporadisch auf die Bedeutung dieser Lernvoraussetzung reagiert hat. Der verwandte Begriff der Vorstellung und Vorstellungsbildung bleibt ebenfalls in der Erziehungswissenschaft nahezu unerwähnt, sieht man einmal von der fachdidaktischen Diskussion der Kunstpädagogik ab.

Innere Bilder entstehen über die selbsttätig sensorische Welterkundung, die jederzeit auch den aktuellen Standpunkt in die Vorstellungsbildung integrieren kann. Ein Lichtausfall in einer dunklen Wohnung z. B. ist gleichsam ein Testfall hinsichtlich der Genauigkeit der Vorstellungsbildung für die räumliche Abfolge der Zimmer und Einrichtungsgegenstände. Die kognitive Psychologie geht davon aus, dass unsere gesamte Wahrnehmung von einer Vielzahl von Standardsituationen begleitet wird, die wir als Handlungsabläufe erwarten, die aber auch durch die aktuelle Informationsaufnahme modifiziert werden können.

Auch das Verständnis von Texten beruht auf einer Fülle bereits vorhandener Standardisierungen. Bilder und Texte fordern den Leser und die Leserin auf, sich an dem Gelesenen aktiv zu beteiligen. Dies kann aber nur gelingen, wenn vorhandene Ressourcen belebt werden und eine entsprechende Assimilierung an vorgegebene Standards erfolgt. Es ist davon auszugehen, dass diese sich mittels differenzierender Informationsaufnahme verändern.

Das Forschungsprojekt geht von der These aus, dass der Rolle des Bildes dabei die zum Verständnis des Textes notwendige Basalfunktion zugesprochen muss. Diese kann offensichtlich nicht in vollem Umfang vorausgesetzt werden. Zum Textverständnis ist die Fähigkeit einer Modifizierung des inneren Bildes notwendig, um die Informationsentnahme aus dem Text überhaupt synthetisieren zu können. Dies kann aber nur bedeuten, je klarer das innere Bild dem Leser vor Augen steht, um so leichter gelingt es die entsprechenden Veränderungen vorzunehmen.

Imagination und Bildvorstellungen, die dadurch begriffene Bewältigung von Sachverhalten, kann Schule und Unterricht nicht als gegeben voraussetzen. Häufig erweisen sich die Bilder im Kopf als zu unbestimmt, als dass man schon, von einer verstandenen Wirklichkeit ausgehen könnte. Bildvorstellungen können durch die Auseinadersetzung mit der eigenen bildnerischen Darlegung objektiviert und differenziert werden. Diesen Zusammenhang gilt es in dem Forschungsprojekt nachzuweisen.

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