Die Schanzlbrücke

In Passau wurde die erste Brücke über die Donau im Jahre 1278 unter der Herrschaft von Bischof Petrus erbaut. 
Die Errichtung einer mit Pferdefuhrwerken passierbaren Brücke über die Donau war im 13. Jahrhundert eine große technische und finanzielle Herausforderung.  Bis dahin war der Fluss nur mithilfe der sogenannten Urfahre passierbar. Für den Stadtherrn war ein solcher Brückenschlag ein Symbol seiner Macht und gilt als wichtigstes städtisches Ereignis seiner Amtszeit.
  • Die Passauer Donaubrücke reichte vom Neumarkt zum Anger und war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts der einzige feste Übergang zwischen Deggendorf und Krems in der Wachau.  In Regensburg wurde bereits 1136 eine Brücke errichtet, in Wien und Linz erst 1439 und 1497.
  • Das Domkapitel unterstellte die Verwaltung  der Donaubrücke dem Johannesspital. Damit standen dem Spital die Mauteinnahmen der Brücke zu, und es war für die Erhaltung zuständig. Obwohl das Johannesspital die bedeutendste und reichste Stiftung der Stadt war, stellte der Unterhalt des hölzernen Bauwerks eine schwere Aufgabe dar: Hochwasser, Eisgang und Feuer zerstörten die Brücke in regelmäßigen Abständen.
Die Stadt Passau gewann mit dem Besitz einer festen Brücke an Bedeutung und Handelsmacht, vor allem im Salzhandel mit Böhmen und Bayern. Die Dreiflüssestadt lag im Schnittpunkt der bedeutendsten Handelsstraßen Süddeutschlands - die Händler kamen sprichwörtlich um Passau nicht herum.
  • Im Wettsteit mit Bayern um das Salz waren die Brücken von großer strategischer Bedeutung. Die Kontrolle der Urfahre und Brücken war ein wichtiges Machtinstrument um die Interessen der Stadt und des lokalen Handels durchzusetzen. Für die unerwünschte Konkurrenz aus Bayern sperrte man die Flussübergänge. Diese musste damit weite und riskante Umwege machen.
Die weitere Geschichte der Brücke bis heute:
  • Im Jahr 1800 machten österreichische Soldaten auf dem Rückzug vor den herannahenden Truppen Napoleons die Passauer Brücken unpassierbar. Die Franzosen betrieben bis zu ihrem Abzug 1810 die Umgestaltung der Stadt in eine schwer einnehmbare Festung und trugen die Brücken vollständig ab.
  • Nachdem Handel und Gewerbe für Jahrzehnte darniederlagen, wurde die Donaubrücke erst wieder 1823 als steinernes Bauwerk aufgebaut und hieß König Maximilian I. Joseph von Bayern zu Ehren Max-Brücke. Sie wurde im zweiten Weltkrieg zerbombt und danach wieder aufgebaut. Die heutige Schanzlbrücke wurde 1970 eingeweiht. Sie steht etwa 150 Meter donauaufwärts des historischen Brückenschlages. Die Max-Brücke wurde im Jahr 1972 abgerissen.  

Urfahre  =  kleine Fähren,  die  Güter und Personen ans andere Ufer des Flusses brachten. Die Passage war langsam, durchaus riskant, und erforderte im Gegensatz zur Benutzung der Brücke das Umladen der  Pferdefuhrwerke.


  • Egon Boshof (Hrsg.), Geschichte der Stadt Passau,  Verein für  ostbairische Heimatforschung, München 1999, S. 95
  • Gerhard Glück, Das St. Johannis-Spital von der Gründung bis zur Gegenwart, in: Ostbairische Grenzmarken 20, Passau 1978, S. 174-183
  • Paul Praxl, Die böhmische Maut in Passau, in: Wurster/Brunner (Hrsg.), Weisses Gold, vom Reichtum einer europäischen Stadt, 1995, S. 235
bearbeitet von Timo Theiner
(18.8.2004)

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