Kirche St. Severin

(Innstadt)

Um 450 bis 480 n. Chr. beginnt für Passau die Zeit des heiligen Severin von Noricum, der in der Innstadt in der Umgebung des römischen Kastells Boiotro um 460 n. Chr. eine kleine Gebetszelle und das erste Kloster Bayerns errichtete. Seit dem Mittelalter ist hier die spätantike Urkirche dem hl. Severin von Noricum geweiht, die als Kirche St. Severin über die Jahrhunderte bis heute Friedhofskirche für die Innstadt und für Beiderwies war. Der Friedhof um die Kirche sowie die Kirche selbst zählen zu den ältesten kontinuierlich erhaltenen Begräbnis- und Kultorten des deutschen Kulturraumes. Severin stieß bei seiner Ankunft in Passau auf eine schon bestehende Kirche, wohl von der christlichen Konfession der Arianer, die er übernahm und sie dem heiligen Johannes dem Täufer weihte. Wahrscheinlich brachte Severin sogar eigens zu diesem Zweck Reliquien dieses Heiligen mit nach Passau. Der Platz, auf dem die Severinskirche steht, dürfte jedoch schon seit geraumer Zeit ein Kultplatz im südostbayrischen Raum gewesen sein.

In der Lebensbeschreibung des hl. Severin von Noricum, die Eugippius, sein Schüler und später Abt von Lucullanum (bei Neapel) 511 verfasste, heißt es in Kapitel 22:

"Für die Basilika, die außerhalb der Mauern von Batavis in einem Ort namens Boiotro jenseits des Innflusses erbaut worden war, wo er [Severin] eine kleine Zelle für wenige Mönche errichtet hatte, wurden Märtyrerreliquien gesucht …"

Die Ausgrabungen im Jahre 1976 gaben der Volksüberlieferung Recht. Reste von Fundamenten und Mauerwerk, die eindeutig frühchristlich sind, wurden unter der heutigen Friedhofskirche gefunden. Anstoß zu diesen Grabungen gab die Auffindung des Kastells Boiotro im Jahre 1974 im so genannten "Gruber-Garten", in unmittelbarer Nähe der Severinskirche, in dem eigentlich ein Kindergarten errichtet werden sollte.

Grabstein des FaustinusUnter der Leitung von Professor Dr. Walter Sage wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege eine frühchristliche Saalkirche mit gleichbreiter Apsis, einer Reihe von Gräbern, Märtyrerreliquien und anderen Bodenfunden zutage gebracht. Diese kleine spätantike Urkirche, dessen Fundamente die heutige Nordwand tragen, erfuhr in ottonischer, in spätromanischer und in spätgotischer Zeit erweiternde Umbauten.

Ein römischer Grabstein, der jetzt als Weihwasserbecken dient und in der Nähe des südlichen Eingangs steht, ist ein Beweis für die Kontinuität des Friedhofes an dieser Stätte. Die Inschrift nennt keine Jahreszahl, weist jedoch in die vorchristliche Zeit. Frei übersetzt ist hier zu lesen: "Den Hausgöttern des illyrischen Zöllners Faustinian haben seine Söhne Ingenius und Felix dieses Monument errichtet."

Die Severinskirche zeigt heute das äußere Erscheinungsbild der Spätromanik (Langhaus) und der Gotik (spätgotischer Chor).

bearbeitet von: Stefano Giusto
(18.8.2004)

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