| 1344 | Der fürstbischöfliche Stadtrichter und spätere Münzmeister der Stadt Passau, Urban Gundacker und seine Frau Plecktraud lassen mit Erlaubnis des Fürstbischofs Gottfried II. von Weiseneck und seines Domkapitels im Garten ihres Grundstückes, das an der hinteren Gasse im neuen Markt, der heutigen Heiliggeistgasse, lag, eine dem Heiligen Geist geweihte Kapelle errichten. |
| 1347 | Gundacker schließt der Kapelle das Heilig-Geist-Spital an. Es bietet Platz für 13 Männer (keine Frauen), die nichts besitzen oder aufgrund von Krankheiten nicht mehr arbeiten können. Unter den Bewohnern, den sog. Pfründnern, mussten sich auch drei Priester befinden, die in der beistehenden Kapelle täglich eine Messe zu lesen haben, an der die restlichen Bewohner teilnehmen müssen. Dafür erhalten alle Pfründner täglich drei Mahlzeiten und werden mit Kleidung ausgestattet. Gundacker bestimmt außerdem, dass das Spital von einem Verwalter, dem sog. Spitalmeister, geleitet werden muss. Dieser wird jeweils vom Fürstbischof ausgewählt. |
| 1358 | Gundacker vermacht dem Heilig-Geist-Spital großzügigen Schenkungen, darunter sieben Häuser in der Stadt Passau, zwei Hofstädten, einem Landgut und neun Weinbergen im niederösterreichischen Krems. Durch diese Stiftungen sind die Einkünfte des Heilig-Geist-Spitals so reichlich, dass Gundacker damit auch andere Wohltätigkeitseinrichtungen, unter anderem das Johannes-Spital, unterstützen kann. |
| 1364 | Urban Gundacker stirbt. |
| ca. 1400 | Der Spitalmeister Wenzl Gerhardt lässt die Spitalkapelle um ein zweites Schiff erweitern. Aufgrund zahlreicher weiterer Schenkungen wird Gerhardt auch als zweiter Stifter des Heilig-Geist-Spitals bezeichnet. |
| 1445 | Der Ratsbürger und Stiftspfleger Gregor Stubner vermacht dem Spital das Fischrecht auf der Donau zwischen der Gaißa- und der Ilzmündung. Von 1558 bis zum heutigen Zeitpunkt verpachtet das Spital dieses Fischrecht an 12 Angler, den sog. Apostelfischer. |
| 1508 | Sowohl bei diesem, als auch bei den weiteren Stadtbränden (1512,1546,1662 und 1680) werden Teile des Heilig-Geist-Spitals zerstört. Dabei gehen etliche Urkunden und Aufzeichnungen verloren. |
| 1803 | Bei der großen Säkularisation werden fast alle religiösen und kirchlichen Stiftungen vom bayerischen Staat eingezogen. Da es sich beim Heilig-Geist-Spital um eine bürgerliche Wohlfahrtseinrichtung handelt, bleibt ihm dieses Schicksal erspart. |
| 1856 | Die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul (Vinzentinerinnen) aus München übernehmen die Leitung des Heilig-Geist-Spitals. |
| 1894 | Die Verwaltung des Heilig-Geist-Spitals beginnt, alte alleinstehende, aber nicht ganz mittellose Personen gegen Zahlung einer einmaligen Geldsumme aufzunehmen und ihnen Kost und Unterkunft bis zu ihrem Tod zu bieten. |
| 1909 | Da diesen Wunsch immer mehr Leute äußern, wird nach dem Umzug des St. Joseph-Spitals, das sich ebenfalls in den Gebäuden der Heilig-Geist-Stiftung befand, die städtische St.-Josephspension als Altenheim für ca. 50 Personen eingerichtet. |
| 1965 | Das Heilig-Geist-Spital und die städtische Josephspension zwei rechtlich und vermögensmäßig selbständige, juristische Personen werden zu einem einheitlichen Wirtschaftsbetrieb zusammengeschlossen. |
| 1978 | Wegen Nachwuchsmangels müssen die Barmherzigen Schwestern die Betreuung des Altenheims aufgeben. |
| 1994 | Nach einer grundlegenden Renovierung der Gebäude der Gundacker-Stiftung zu Beginn der 90er Jahre wird das Seniorenheim der bürgerlichen Heilig-Geist-Stiftung am 8. Juli 1994 wiedereröffnet. |
Bemerkung: Heute ist das Heilig-Geist-Spital vor allem wegen seiner Stiftsschenke bekannt. Wie bereits erwähnt, gehören durch die Vermächtnisse des Urban Gundacker und des Wenzel Gerhardt auch Weinberge in Österreich zum Besitz des Heilig-Geist-Spitals. Der auf dem Schiffsweg nach Passau gebrachte Wein wurde von Anfang an nicht nur an die Pfründner ausgeschenkt, sondern zum größten Teil verkauft. Der Ausschank erfolgte durch einen Stiftsknecht in einem "Stüberl" direkt im Heilig-Geist-Spital, der sog. Stiftsschenke. Als die barmherzigen Schwestern 1856 die Leitung des Spitals übernahmen, untersagten sie den Weinausschank. Deshalb wurde die Stiftschenke ein paar Häuser weiter in der Heiliggeistgasse 4 neu eingerichtet. Mittlerweile ist aus der Stiftsschenke ein renommiertes Speiselokal geworden der Ausschank der stiftseigenen Weine zählt allerdings noch immer zu den Spezialitäten des Lokals.
bearbeitet von:
Andreas Lakota
(17.8.2004)