Der Dom St. Stephan in Passau

Nahezu 1000 Jahre lang (ab 739) war der Passauer Dom Bischofskirche des flächenmäßig größten Bistums des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung (42 000 km2) erstreckte sich die Diözese Passau vom Mündungsgebiet der Isar bis nach Ungarn, vom südlich gelegenen Voralpengebiet bis an die böhmisch-mährische Grenze im Norden. Kaiser Joseph II. trennte zwischen 1783 und 1785 den gesamten österreichischen Bistumsanteil, fast sechs Siebtel, von der Mutterkirche in Passau ab, womit das Bistum Passau zu einem der kleinsten in Deutschland wurde.

Das erklärt den verhältnismäßig großen Bau des Domes, der in der Kleinstadt Passau sehr auffällig wirkt.

Das damalige Passauer Bistum spielte bei der Christianisierung des östlichen Donauraumes eine bedeutende Rolle. Seit 999 waren die Bischöfe der Stadt auch deren weltliche Herren. 1217 wurde Passau Hochstift und somit Sitz der Fürstbischöfe.

Der Dom ist auf der höchsten Erhebung der Altstadt zwischen den Flüssen Inn und Donau, 13 m über der Donau und 303 m über dem Meer, erbaut worden. Der St. Stephans-Dom ist 102 m lang, 33,5 m breit, und die Spitze der Vierungskuppel ist 69 hoch; damit ist er einer der größten Dome mit dem größten barocken Kircheninnenraum nördlich der Alpen.

Vier verschiedene Baustile können an dem heutigen Standort des dreischiffigen Domes nachgewiesen werden:

  1. Um 720 Gründung einer St. Stephan geweihten agilolfingischen-karolingischen Bischofskirche (anstelle der römischen Batavinerbischofskirche (450 n. Chr.) der christlichen Gemeinde des Hl. Severin), 739 römisch-kirchenrechtliche Konstituierung des Bistums Passau durch den Hl. Bonifatius, damit wird Passau Bischofsitz und die Kirche zur Kathedrale der Diözese.
  2. 985 zur Zeit Bischofs Pilgrim wird die frühromanische dreischiffige Episkopalkirche mit westlicher Doppelturmfassade geweiht. Der agilolfingische-karolingische Bau wurde bei der Belagerung Passaus durch Kaiser Otto II. 978 zerstört.
  3. Der frühgotische Dom entsteht zwischen 1221 und 1313, der spätgotische Ostteil (Chor, Vierungsturm und die Erhöhung des frühgotischen Mittelschiffes) zwischen 1407 und 1598.
  4. Barocker Wiederaufbau von 1668 bis 1693; nach den verheerenden Stadtbränden von 1662 und 1680, erhält der Passauer Dom sein heutiges barockes Erscheinungsbild. Hans Krumenauers spätgotischer, einschiffiger Chor, das Querhaus und der Vierungsturm wurden dabei in die moderne Bauweise mit einbezogen. Für die äußere Unverkennbarkeit spielen nicht zuletzt die Kuppeln, Böhmische Kappen oder Platzlgewölbe genannt, eine bedeutende Rolle. 1928 wurde die Staatliche Dombauhütte wegen fortdauernd notwendiger Reparaturarbeiten neu gegründet. Die erste Gesamt-Innenrestaurierung seit dem Stadtbrand von 1680 wurde von 1972 bis 1980 durchgeführt.

Dass sich zwei stilverschiedene, riesige Baukörper der Spätgotik und des Barock innen wie außen so harmonisch zu einem ausgeglichenen Ganzen zusammenfügen, lässt den Passauer Dom unter allen Kathedralen des deutschen Kulturraumes eine Sonderstellung einnehmen („einen barocken Dom mit einer gotischen Seele“). Der italienische Architekt Carlo Lurago (1615 – 1684) schuf trotz der gotischen Anlagen (Scheitelhöhe 29 m; bei einer Mittelschiff-Breite von nur 12 m) einen in sich stimmigen hochbarocken Kirchenraum.

Weitere Informationen zum Dom

bearbeitet von: Nicole Maalouf
(16.8.2004)

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