Die Markt und Bürgerstadt in Passau
entstand sukzessive durch die Herausbildung und Vergrößerung
der neuen Bevölkerungsschicht der Bürger, welche sich
insbesondere durch ihre Tätigkeit als Kaufleute und ihren
Kapital und Grundbesitz auszeichneten.
Die bürgerliche Stadt entwickelte sich im Laufe des
Hochmittelalters in dem Bereich östlich des Domimmunitätsbezirks zunächst noch mit unscharfer
Abgrenzung und westlich der Klosterimmunität Niedernburg mit der
Marktgasse als Grenze. Ab dem 12. Jahrhundert wurden die
bürgerliche Stadt und die Domimmunität durch ein eigenes Tor
abgegrenzt, das an der Stelle des neuzeitlichen Seminarbogens
über dem Steinweg stand. Eine heute noch sichtbare Kette (die
allerdings dann dem 18. Jahrhundert angehört) zwischen dem Chor
der Stephanskirche und dem Bischofspalast, markiert noch heute
diese Abgrenzung.
Ein eigenes Rathaus als zentrales bauliches Element einer bürgerlichen Stadt hatten die Bürger erstmals während des Aufstandes im Jahre 1298, als ein Haus (des Bürgers Christian Hallers) am Fischmarkt zu diesem Zweck angekauft und sogar mit einer Ratsglocke versehen wurde. Dieses hielt sich aber nur kurz und musste nach heftigem Streit dem Bischof abgetreten werden. Im Jahre 1322 wurde das Haus erneut an die Bürger verkauft. Ab 1394 wurde dann am Fischmarkt ein neues Rathaus auf der Grundlage zweier neu angekaufter Häuser errichtet. Im 15. Jahrhundert schließlich wurde nach Abbruch der beiden Häuser mit dem Bau des Rathauses in seiner heutigen Form begonnen, dem großen Saalbau. Der Bau wurde allerdings durch die verheerenden Stadtbrände mehrmals stark zurückgeworfen.
Weitere typische bauliche Eigenheiten der
Passauer Bürgerstadt sind die engen Gässchen mit ihren
typischen bürgerlichen Häusern.
Die meisten Bürgerhäuser haben einen gotischen Kern und
aufgrund der Brände eine barocke Fassade, wobei häufig durch
die sogenannte Dachmastierung eine über das tatsächliche
Hausdach hinausragende Fassadenfront eine größere Höhe
vorgetäuscht wurde. Sie wurden im Mittelalter typischer Weise
als Einfamilienhäuser in der folgenden Weise genutzt:
Im Erdgeschoss befand sich der Laden oder die Werkstatt und ein
Vorratsraum, im ersten Stock wohnte der Meister mit seiner
Familie. Im zweiten Stock schließlich wohnten das Dienstpersonal
und die Gesellen.
Trotz wiederholter militärischer Auseinandersetzungen mit dem Bischof erreichte die bürgerliche Stadt nie ihre vollständige Unabhängigkeit.
bearbeitet von:
Deborah Lindemann
(16.8.2004)