Der Bayernherzog Theodo (ca. 680 717) nahm als erster die Aufgabe der kirchlichen Ordnung Bayerns in seine Hände und begab sich 715/716 nach Rom, um Papst Gregor II. zu bitten, eine bayerische Kirchenprovinz zu errichten, welche unmittelbar von Rom abhängig sein sollte. Das Ergebnis der Reise war ein detaillierter Organisationsplan vom 15. Mai 716, der vorsah die Bischofssitze an die vier Teilherzogtümer (vermutlich Regensburg, Salzburg, Passau und Freising) anzupassen. Diese Bistumsorganisation sollte wohl die kirchliche und politische Unabhängigkeit vom Frankenreich verstärken und als Bollwerk gegen das Machtstreben der Karolinger dienen. Der Entwurf wurde jedoch erst 23 Jahre später unter Bonifatius umgesetzt, womöglich wegen des unerwarteten Todes Theodos. Der Plan bildet die Grundlage der Verbindung Bayerns mit Rom, welche die spätere kirchliche Organisation Bayerns stark geprägt hat.
Die endgültige kanonische Einrichtung der bayerischen Kirchenprovinz mit den Bistümern Regensburg, Salzburg, Passau und Freising erfolgte 739 durch den angelsächsischen Missionar und päpstlichen Legaten Bonifatius, in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Herzog Odilo. Grundlage hierfür bildete der Organisationsplan von 716. Erst 50 Jahre später wurde Salzburg 789 zum Sitz des Erzbischofs erhoben. Bonifatius ersetzte drei der vorhandenen Bischöfe, da er von Ihrer Rechtmäßigkeit nicht überzeugt war, und beließ lediglich den Passauer Bischof Vivilo, der bereits Jahre vor der Bistumsorganisation von Papst Gregor III. geweiht worden war, im Amt.
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Michael Muhsal
(3.8.2004)