Karl der Große

   Literaturangaben

(lat. Karolus Magnus, franz. Charlemagne)

Karl wurde am 2. April 742 vermutlich in Gauting geboren. Ab dem Jahre 768 war er König von Franken, und nach dem Tod seines Vaters Pippin III. übernahm Karl zunächst zusammen mit seinem jüngeren Bruder Karlmann, der 771 verstarb, die Regierung des Fränkischen Reichs. 774 übernahm er die Regierung des Langobardenreichs und im Südwesten erweiterte Karl das Fränkische Reich 769 durch die Unterwerfung Aquitaniens und den Ausbau der Spanischen Mark.

Tassilo III., der 748 von Pippin III. als Herzog in Baiern eingesetzt wurde, musste 787 das Herzogtum Baiern, und damit auch Passau, nach einem gescheiterten Aufstandsversuch an Karl zurückgeben, um es anschließend lediglich als Lehen zurückzuempfangen. Der Versuch, mit den Awaren ein Bündnis einzugehen und die frankenfreundliche Politik des Papsttums führten 788 zu der Absetzung Tassilos, was die endgültige Vereinigung der Baiern mit dem Fränkischen Reich zur Folge hatte. Der herzogliche Besitz wurde zu Reichsgut, darunter wahrscheinlich auch das Kloster Niedernburg in Passau. Um das Jahr 790 passierte Karl der Große mit seinen Truppen die Stadt Passau, um durch die Zerschlagung des Awarenreiches das baierische Territorium weiter nach Südosten auszubauen und das fränkische Reich nach Osten hin zu sichern.

Die Stellung Karls, der den größten Teil des Abendlands politisch einigte, fand ihren Ausdruck in seiner Erhebung zum Kaiser am 25.12.800 in Rom. Sein voller Titel ab 800 lautet: Karolus serenissimus augustus a Deo coronatus magnus pacificus imperator Romanum imperium gubernans qui et per misericordiam dei rex Francorum atque Langobardorum (frei übersetzt: Karl allerdurchlauchtigster Erhabener, von Gott gekrönt, großer Frieden stiftender Herrscher, das römische Reich regierend, von Gottes Gnaden König der Franken und Langobarden) Für die Zeitgenossen verband sich mit dem Kaisertum die Idee eines geeinten, christlichen Reichs, dessen Herrscher als Beauftragter Gottes regierte. Karl bemühte sich um Vereinheitlichung, Ordnung und Erneuerung der Reichsverwaltung, der Rechtspflege, des Münz- und Heerwesens, aber auch der Kultur. Zentrum dieser Reform war der Hof, der sich nach der Kaiserkrönung fast stets in dem zur wichtigsten Pfalz ausgebauten Aachen aufhielt und an dem Karl die bedeutendsten Großen und Gelehrten seiner Zeit vereinte. Karls Bemühungen führten auch zu einer Erneuerung des kirchlichen Lebens und zur sogenannten Karolingischen Renaissance.

Karl, dem schon seine Zeitgenossen den Beinamen "der Große" gaben wurde später zum Symbol eines großen Reichsgründers und Herrschers. Karl der Große starb am 28. Januar 814 in Aachen und wurde im Atrium der Marienkirche beigesetzt. Auf Betreiben Kaiser Friedrich Barbarossas wurde Karl 1165 durch den Erzbischof von Köln, unter Billigung des (Gegen)papstes Paschalis III. heilig gesprochen. Diese Heiligsprechung wurde von Papst Alexander III. aber abgelehnt, so dass sein Gedenktag nie offiziell anerkannt wurde. Seit 1176 wird die Verehrung allerdings von der katholischen Kirche geduldet.

bearbeitet von Gerhard Geiger