Benediktinerabt, Geschichtschreiber, Wirtschafter und Bauherr
Niederaltaich (Landkreis Deggendorf, Niederbayern) liegt an den Altwassern der Donau gegenüber der ehemaligen Pfalz Osterhofen. Das Kloster Niederaltaich wurde vom Bayernherzog Odilo wahrscheinlich 741 gegründet. Von 1242-1273 wirkte Hermann von Niederaltaich dort als Abt. Er ist ein bedeutender mittelalterlicher Geschichtschreiber.
| 1200/01 | wird Hermann geboren. Wohl im Benediktinerkloster von Niederaltaich erzogen und gebildet, tritt er als Mönch in das Kloster ein. Als Kustos der Kirche sammelt und studiert er fleißig die Urkunden seines Klosters und wird in wichtigen Angelegenheiten von Abt Ditmar (1232-1242) zum Kaiser nach Verona und zweimal nach Rom gesandt. |
| 1242-1273 | Hermann wird Abt vom
Kloster Niederaltaich. Mit Erfolg bemüht er sich um die
wirtschaftlichen, baulichen und innerklösterlichen
Verhältnisse, um das geistige Leben und die Klosterzucht
seiner Abtei und den benachbarten Klöstern. Die
Förderung durch die bayerischen Herzöge ermöglicht es
ihm, die wirtschaftliche Situation des Klosters zu
konsolidieren. Sein historographisches Hauptwerk bilden die an Ekkehard von Aura anknüpfenden und Otto von Freising und weitere Quellen verwertenden Annalen, deren letzten Teil er von 1250 an ziemlich gleichzeitig mit den Ereignissen schreibt. Es geht Hermann um die Rechtsposition von Niederaltaich, die Geschichte der Wittelsbacher und anderer für das Kloster wichtige Dynastien, die bayerische Stammestraditon. Demgegenüber tritt die Reichs- und Papstgeschichte zurück |
| 12.3. 1273 | Nachdem Hermann 30
Jahre, 4 Monate und 16 Tage regiert hat, ist er von
Greisenalter und Mühsal ermattet und verzichtet
freiwillig auf sein Amt. Nachfolger wird Herr Albin. Hermann lebt, von Krankheit und Leiden geplagt, noch zwei Jahre im Kloster Niederaltaich. |
| 31.7. 1275 |
Hermann von Niederaltaich stirbt, |
Bewertung: Von Hermann von Niederaltaich wird berichtet, es wohnten ihm große Gottesfürchtigkeit und Weisheit inne. Im wird nachgesagt, dass er vor allem "Barmherzigkeit gegen alle Menschen hatte" (Kaplan Heinrich Steoro).
Hermann leitete eine neue Blütezeit des Klosters ein. Der ihm eigene Sinn für Administration und Rechenhaftigkeit zeigt sich am deutlichsten in den Notizen ("De rebus suis gestis"), die über seine bedeutende Bautätigkeit informieren. Die Annalen, die die allgemeine Geschichte behandeln, erreichten beträchtliche Verbreitung und gehören zu den wichtigsten Quellenwerken des 13. Jahrhunderts. Hermann von Niederaltaich weist voraus auf das spätmittelalterliche bayerische Landesbewusstsein.
bearbeitet von: Somone Kuhnt