Historische Hilfswissenschaften
Chronologie

Die Chronologie befaßt sich vor allem mit dem "Auflösen" der Daten in den Quellen, d.h. mit ihrer Umsetzung in die moderne Datumsschreibweise.

Das Tagesdatum gibt man im Mittelalter gewöhnlich nicht auf moderne Weise an (mit Durchzählung der Tage im Monat), sondern entweder nach dem römischen Kalender oder mit Hilfe des christlichen Festkalenders angegeben; dabei spielt auch die Berechnung des Ostertermins eine wichtige Rolle.

Das Jahr bezeichnet man teils nach Regierungsjahren des Herrschers, teils als Jahre nach Christi Geburt; dabei stellt sich das Problem des Jahresanfangs , der gewöhnlich nicht der 1. Januar ist. Eine weitere Form der Jahresangabe ist die Indiktion . Auch mehrere Angaben gleichzeitig kommen vor.


Römischer Kalender

Im römischen Kalender haben drei Tage in jedem Monat einen Namen, und zwar der

März, Mai, Juli, Oktober alle anderen Monate
kalendae 1.
nonae 7. 5.
idus 15. 13.

Die übrigen Tage werden auf diese drei Termine bezogen, indem man angibt, am wievielten Tag vor einem Termin man sich befindet. (Der erste und letzte Tag zählt mit.) Der unmittelbare Vortag heißt "pridie".
Der Schalttag im Februar wird nach dem 24. (= sexto kalendas Martii) eingeschoben und als "bissexto kalendas Martii" bezeichnet (= 25.2.). Dann folgt regulär der der 26.-29. als quinto bis pridie kalendas Martii .

Beispiele:
1. Januar = kalendis Ianuarii
31. Dezember = pridie kalendas Ianuarii
25. Dezember = octavo kalendas Ianuarii
5. Februar = nonis Februarii
4. Februar = pridie nonas Februarii
3. Februar = tertio nonas Februarii
13. April = idibus Aprilis
12. April = pridie idus Aprilis
9. April = quinto idus Aprilis
aber:
7. März = nonis Martii
5. März = tertio nonas Martii
15. Oktober = idibus Octobris
10. Oktober = sexto idus Octobris

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christlicher Festkalender

Der christliche Festkalender unterscheidet bewegliche und unbewegliche Feste.

Die beweglichen Feste hängen vom Osterdatum ab; es sind insbesondere
der Aschermittwoch
Ostern selbst
Christi Himmelfahrt
Pfingsten
Da es für Ostern 35 verschiedene Termine gibt (22.3.-25.4.), können auch diese Feste auf 35 verschiedene Kalendertage fallen, z.B. der Aschermittwoch auf den 4.2. - 10.3.
 
Die unbeweglichen Feste fallen stets auf dasselbe Kalenderdatum, z.B.
Weihnachten (25.12.)
sowie die meisten Heiligenfeste, z.B.
Mariä Lichtmeß (2.2.)
Mariä Verkündigung (25.3.)
Peter und Paul (25.6.)
Mariä Himmelfahrt (15.8.)
Allerheiligen (1.11.)


Wann ist Ostern?

Der Ostersonntag ist der Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Er hängt also ab

  1. vom Wochentag
  2. von den Mondphasen
  3. vom Sonnenlauf

Der Frühlingsanfang ist der Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche am 21. März.

Die Mondphasen wiederholen sich in einem 19jährigen Zyklus.

Die Wochentage wiederholen sich in einem 28jährigen Zyklus, da die Woche 7 Tage hat und alle 4 Jahre eine Verschiebung durch das Schaltjahr eintritt.

  Ein Hilfsmittel zur Feststellung des Wochentages ist der Tagesbuchstabe: allen Tagen des Jahres wird ein Buchstabe von A bis G zugewiesen; Tage mit gleichem Tagesbuchstaben sind derselbe Wochentag. Der Tagesbuchstabe des Sonntags heißt Sonntagsbuchstabe des Jahres.
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Wann beginnt das Jahr?

Herrscherjahre:
Epochentag ist meist der Tag der Wahl, aber auch (so vor allem bei den Päpsten) der Krönungstag; in Erbreichen zählt man nach dem Todestag des Vorgängers.

Jahre nach Christi Geburt:
es gibt mehrere Möglichkeiten, die man "Stile" nennt, vor allem

Jahresanfänge im Herbst (1.9., 25.9. usw.) sind in Europa für die Jahre nach Christi Geburt ohne Bedeutung.

Jahresanfang


Indiktion ("Römerzinszahl")

Die Indiktion (zu deutsch: Römerzinszahl) war der spätrömische Steuerzyklus. Er begann (theoretisch) im Jahre 3 v. Chr. und dauerte jeweils 15 Jahre.

Achtung: man gibt nicht an, im wievielten Zyklus man sich sich befindet, sondern im wievielten Jahr innerhalb des Zyklus'.

Berechung: Jahreszahl plus 3 dividiert durch 15; der Rest dieser Division ist die Indiktion.

Die Indiktion wechselt im Herbst (am 1.9. oder 24.9.). Die berechnete Zahl gilt für den größeren Teil des Jahres (also Januar bis August/September); von September bis Dezember gilt bereits die nächst höhere Indiktion. Beispiel siehe oben!

Fehlerquellen: die Indiktion wird im Mittelalter oft falsch berechnet; bei Unstimmigkeiten mit dem Inkarnations- oder Regierungsjahr ist dieses meist zuverlässiger.


© Th. Frenz 2002             zurück zum Kapitelanfang