Historische Hilfswissenschaften
Urkundenlehre |
Die Urkundenlehre oder Diplomatik befaßt sich mit
- den äußeren und inneren Merkmalen der Urkunden (Urkundenlehre im engeren Sinne)
- den Personen und Einrichtungen, die die Urkunden ausstellen (Kanzlei- und Behördengeschichte)
- den Vorgängen bei der Ausstellung der Urkunden (Geschäftsgang)
- der Entlarvung von Urkundenfälschungen ("ars discernendi verum ac falsum").
Eine Urkunde ist
- eine Aufzeichnung über einen Vorgang rechtlicher Natur,
- der unter Beachtung gewisser Formen erfolgt und
- mit einer Beglaubigung versehen ist
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Die äußeren Merkmale einer Urkunde erkennt man an ihrem Erscheinungsbild (Schriftarten, graphische Zeichen, Beschreibstoff, Siegel usw.).
Die inneren Merkmale einer Urkunde gehen aus ihrem Text hervor (Aufbau und Reihenfolge des Textes, festliegende Formeln, sprachliche Eigenarten usw.).
Für die Analyse des Textes gibt es eine spezielle Fachterminologie. Diese unterscheidet drei Hauptteile der Urkunde:
die noch weiter untergliedert werden. Häufig werden die drei Hauptteile der Urkunde auch graphisch hervorgehoben.
An Urkundenoriginalen kann man die inneren und äußeren Merkmale untersuchen, an Abschriften in der Regel nur die inneren Merkmale.
Für die wissenschaftliche Edition
von Urkunden gibt es feste Regeln und Gewohnheiten.
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Urkunden
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Protokoll:
- Invocatio = Anrufung Gottes
- teils mit Chrismon = symbolische Anrufung
- Intitulatio = Name und Titel des Ausstellers
- meist mit Devotionsformel
- Inscriptio = Name des Adressaten/Empfängers
- Salutatio = Grußformel
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Kontext:
- Arenga = allgemeine Begründung für die Ausstellung der Urkunde
- Narratio = Bericht über die Vorgeschichte der Urkunde
- endet oft mit der Petitio = Bitte um Ausstellung der Urkunde,
- Dispositio = eigentliche Rechtsverfügung
- Corroboratio = Bekräftigungsmittel, um die Beachtung der Urkunde zu sichern, z.B.
- Zeugenliste
- Sanctio = Androhung von Strafen oder Verheißung von Belohnungen
- Siegelankündigung
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Eschatokoll:
- Signum(zeile) mit
- Unterschrift des Ausstellers (im Mittelalter selten) oder
- Monogramm
- Rekognition(szeile) = Gegenzeichnung desKanzleichefs, mit
- Datierung
- Apprecatio = religiöser Schlußwunsch
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Eine vollständige wissenschaftliche Edition einer Urkunde besteht aus folgenden neun Bestandteilen:
- laufende Nummer
- Kopfregest
- Ort und Datum
- Angabe der Überlieferung
- Siglen: A = Original, B, C, D usw. = Abschriften
- Angabe früherer Editionen und Regesten
- Voranmerkung
- darin Nachweis von Vorurkunden, Fälschungen usw.
- Textabdruck
- Textteile in verlängerter Schrift zwischen drei Kreuzchen
- Textteile aus Vorurkunden petit gesetzt
- Abkürzungen:
- M = Monogramm
- SR = Rekognitionszeichen
- S = Siegel (SI = sigillum impressum, SP = sigillum pendens, SD = sigillum deperditium)
- doppelter Apparat:
- überlieferungskritischer Apparat (Buchstabenanmerkungen zur Textgestalt)
- sachkritischer Apparat (Zahlenanmerkungen zu vorkommenden Personen, Orten, Sachen usw.)
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