Historische Hilfswissenschaften
Paläographie

Die Paläographie leitet zur zuverlässigen Entzifferung und Transkription der Schriften an, die uns heute nicht mehr ohne weiteres geläufig sind.

Für Europa ist die lateinische Paläographie am wichtigsten. Sie befaßt sich mit allen Texten in lateinischer Schrift, unabhängig von deren Sprache, also auch mit mittelhochdeutschen, altfranzösischen Texten usw.

Die Paläographie hilft nicht nur, die Texte zu entziffern, sondern auch, sie zu datieren. Darüber hinaus können mittelalterliche Handschriften und frühe Drucke von hohem ästhetischem Reiz sein.

Die Hauptprobleme, die man bewältigen muß, sind:

Wer sich näher mit der Paläographie beschäftigen will, sollte dies zunächst zweckmäßig unter Anleitung tun; einschlägige Veranstaltungen werden regelmäßig angeboten.

Eine ausführlichere Information bietet auch


Die wichtigsten Schriftarten des Mittelalters sind

Wenn Sie auf die Graphik klicken, sehen Sie in einem neuen Fenster Beispiele für die einzelnen Schriftarten mit Erläuterungen und Transkription.


Die wichtigsten Abkürzungstypen sind:

  • Suspensionskürzungen: der erste Teil des Wortes wird voll geschrieben, der zweite Teil wird weggelassen.
IMP = imperator
ben = benedictionem
  • Kontraktionskürzungen: eine Buchstabengruppe in der Mitte des Wortes wird weggelassen.
dr = doctor
eps = episcopus
  • Nasalstrich: ein n oder m wird durch einen Strich über dem vorigen Buchstaben ersetzt.
  • sog. r-Haken: steht für er re ir ri r.
c'dere = credere
univ'sitas = universitas
  • Tironische Noten: Zeichen aus der antiken Stenographie dienen als Ersatz für Wörter, Silben oder Buchstabengruppen.
7 = et
9 = us
  • Abkürzung durch besondere Buchstabenformen: Silben werden durch Buchstaben mit Zusatzzeichen ersetzt.
p = per
q = qui
q2 = quia


© Th. Frenz 2002             zurück zum Kapitelanfang