Erfindung Verbreitung Schriften Inkunabeln geschichtliche Wirkung
| Der Buchdruck mit beweglichen Lettern wurde um 1450 von Johannes Gutenberg in Mainz erfunden (Vorstudien möglicherweise in den 40er Jahren in Straßburg).
Das Wesentliche an der Erfindung ist die Benutzung beweglicher Lettern. D.h. der Druckstock für die Buchseite wird aus Typen für die einzelnen Buchstaben zusammengesetzt; nach dem Druck der Seite wird der Druckstock wieder auseinander genommen, und die Typen können für eine neue Seite neu verwendet werden. (Druck von Büchern durch ganzseitige Holzschnitte [Blockbücher] gab es bereits vorher, auch außerhalb Europas.) Das erste bedeutende Druckwerk ist die 42zeilige Bibel ("B 42"), die 1456 nachweislich vollendet war.
Da Gutenberg mit seinem Geldgeber in Streit geriet und aus der gemeinsamen Firma ausscheiden mußte, hatte er kein Interesse mehr daran, seine Erfindung geheimzuhalten. Deshalb verbreitete sich die Buchdruckerkunst schnell über Deutschland und ganz Europa; die Erstdrucker sind: Albrecht Pfister 1460 in Bamberg, Johannes Mentelin ebenfalls 1460 in Straßburg, Ulrich Zell 1467 in Köln, Günther Zainer 1468 in Augsburg, Johannes Sensenschmidt und Anton Koberger 1470 in Nürnberg, Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz zunächst in Subiaco, dann in Rom selbst, Johannes von Speyer 1469 in Venedig. Die Passauer Erstdrucker sind Benedikt Mayr und Johann Petri 1480.
Der Buchdruck bediente sich selbstverständlich derselben Schriften und Layoutregeln wie die handgeschriebenen Bücher (erst allmählich kam es aus technischen Gründen zu einer eigenständigen Entwicklung); deshalb bleiben auch die Abkürzungen und die Ligaturen durch Bogenverbindung in Gebrauch, für die zusätzliche Typen erforderlich sind. Die wichtigsten Schriftgrade sind folgende (die Terminologie der Buchdruckforschung weicht teilweise von der normalen paläographischen Terminologie ab):
Man bezeichnet die ältesten Druckwerke, die bis zum Jahre 1500 einschließlich erschienen sind, als Inkunabeln (von cuna = Wiege, weil die Buchdruckerkunst gewissermaßen noch in der Wiege lag). Inkunabeln werden bibliothekstechnisch anders behandelt als später erschienene Bücher. Die Inkunabelbestände werden in den Inkunabelkatalogen gesammelt. Es gibt solche für einzelne Bibliotheken sowie Gesamtverzeichnisse aller jemals erschienenen Inkunabeln; deren ältester ist derjenige von Hain, der durch den "Gesamtkatalog der Wiegendrucke" (seit 1930) ersetzt wird.
Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern hatte erhebliche Auswirkungen auf die Geistesgeschichte. Die Möglichkeit, Bücher in größerer Stückzahl (einige Hundert) herzustellen, sorgte für eine leichtere Verbreitung der Texte, wenn auch der Preis zunächst kaum niedriger war als der handgeschriebener Bücher. Das Wirken z.B. Martin Luthers ist ohne Gutenbergs Erfindung nur schwer denkbar. |