Philosophische Fakultät
Projektdetails

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Brasilianischer Küstenregenwald: Strategien gegen bedrohliche Dürren

Brasilianischer Küstenregenwald: Strategien gegen bedrohliche Dürren

Der Passauer Geograph Prof. Dr. Dieter Anhuf koordiniert ein BMBF-Projekt, das eine Präventionsstrategie für den brasilianischen Küstenregenwald und den ins Landesinnere anschließenden Cerrado vorbereitet. Das Forschungsteam sammelt dafür zunächst Daten zu Punkten, an denen das Ökosystem kippen könnte.

Der brasilianische Küstenregenwald

Die Mata Atlântica erstreckt sich entlang der Ostküste Brasiliens von Rio Grande do Norte bis Rio Grande do Sul und ins Innere des Kontinents. Ebenso befindet sich im brasilianischen Küstenregenwald das dichtbesiedelte Dreieck der drei größten Städte Brasiliens: São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte. Das Gebiet ist eine der am stärksten bedrohten tropischen Wälder. An der Grenze zu der trockeneren Savannenregion des Cerrado kommt es zu Dürreperioden mit dramatischen Folgen. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die weidewirtschaftlich geprägte Agrarlandschaft kurz vor dem Kipppunkt steht.

Erkennen, wann das Ökosystem kippt

Geographinnen und Geographen der Universität Passau versuchen im Rahmen des BMBF-Projekts DRYTIP, solche möglichen Kippunkte zu identifizieren. Das Projekt befindet sich in der Vorphase. Das Passauer Team bereitet gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Köln, Leipzig und Jena sowie mit Partnern in Brasilien den Hauptprojektantrag vor.

Und dazu benötigen sie Daten, um mögliche Kipppunkte zu identifizieren. Denn das "Umkippen" eines Ökosystems kann gewaltige Schäden anrichten, weil es damit seine ökologischen Funktionen und Dienstleistungen verlöre; dazu zählen etwa der Schutz vor Erosion oder die Neubildung von Grundwasser. Wo genau der Kipppunkt liegt und wie er gemessen werden kann, ist bislang offen. Das Forschungsteam versucht, solche Punkte anhand der Knappheit natürlicher Ressourcen sowie sozial-ökonomischer Indikatoren auszumachen. Dazu zählen etwa die Lebensqualität, Formen der Inwertsetzung und die Entwicklung der jeweiligen Wirtschaftsleistung.

"Als ökologisch-sozialen Kipppunkt verstehen wir den Zustandswandel von produktivem Weideland zu Badlands", sagt Prof. Dr. Dieter Anhuf, Inhaber des Lehrstuhls für Physische Geographie an der Universität Passau, der das Vorhaben koordiniert. Diese "Badlands" seien wirtschaftlich nicht mehr nutzbar, die Belastbarkeit sei überschritten worden, das System könne sich nicht mehr selbst regenerieren.

Auf diesen Erkenntnissen wollen die Forscherinnen und Forscher in der Hauptphase aufbauen und eine Präventionsstrategie entwerfen: "Der vorhandene sozial-ökologische Zustand soll stabilisiert und drohende irreversible ökologische Schäden und soziale Krisen für das dichtbesiedelte Dreieck der drei größten Städte Brasiliens sollen abgewendet werden", erklärt Prof. Dr. Dieter Anhuf.

Passauer arbeiten an modularem Dürre-Wirkungsmodell

Das Team der Universität Passau bearbeitet das Arbeitspaket Klima-Wasser. Es analysiert historische Extremereignisse wie Dürren, Überschwemmung und Hitzewellen. Dazu kann es auch auf eigene Forschungsarbeiten zurückgreifen, etwa auf Erkenntnisse aus dem DFG-Projekt „Veränderungen von Baumringisotopen in Wäldern Südostbrasiliens während des 20. Jahrhunderts: Wie beeinflussen die klimatischen Bedingungen Wachstum und Wassernutzungseffizienz". Weitere Daten erhofft sich das Team von brasilianischen und internationalen Einrichtungen, darunter etwa dem brasilianischen Raumforschungsinstitut INPE, der Universität São Paulo (USP) und der Universität Ceará (UFC). Die Forscherinnen und Forscher werden auch vor Ort entlang der Grenze des Atlantischen Küstenregenwaldes zur Savanne (Cerrado) arbeiten.

Beteiligte und Förderung

Auf deutscher Seite besteht das Projektkonsortium aus vier Partnerinstitutionen, der Universität Passau, der Technischen Hochschule Köln (TH Köln), der Universität Leipzig und der Friedrich‐Schiller Universität Jena. Prof. Dr. Dieter Anhuf, Inhaber des Lehrstuhls für Physische Geographie an der Universität Passau, koordiniert das Vorhaben. Dr. Claudia Raedig (TH Köln) und Dr. Dietmar Sattler (Universität Leipzig) unterstützen die Koordination maßgeblich. Diese Aufteilung der Projektkoordination entspricht dem interdisziplinären Ansatz von DRYTIP, um eine optimierte Vernetzung der Projektpartner untereinander zu erreichen.

Das Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) fördert das Vorhaben ein Jahr lang aus der Maßnahme Biotip zum Thema Kipppunkte, Dynamik und Wechselwirkungen von sozialen und ökologischen Systemen.





Projektleitung an der Universität Passau Prof. Dr. Dieter Anhuf (Lehrstuhl für Physische Geographie)
Laufzeit 01.06.17 - 31.05.18
Mittelgeber
Logo des MittelgebersBMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung > BMBF - Verbundprojekt

Themenfelder Geographie, Physische Geographie


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