Projektbeschreibung

„Online-Module
für grenzüberschreitenden Geschichtsunterricht“

im EUREGIO-Bereich

BAYERISCHER WALD - BÖHMERWALD - UNTERER INN

 


Prof. Dr. Thomas Frenz
Professur für Historische Hilfswissenschaften
Universität Passau

Zentrum für Lehrerbildung und Fachdidaktik
Universität Passau

Historisches Institut der
Universität Budweis


Partneruniversitäten und -institute:


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Universität Budweis, Zentrum für Lehrerbildung und Fachdidaktik, Osher Map Library and Smith Center for Cartographic Education, Universität Wien
Bayerische Saatsbibliothek, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Biblioteek van de Universiteit van Amsterdam.


Die Idee

Warum Historische Hilfswissenschaften?

In den Schulbänken innerhalb der neu geschaffenen europäischen Grenzen sitzt heute die erste Generation von SchülerInnen, die vor eine äußerst schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe gestellt ist: ein neues Kapitel der gemeinsamen europäischen Geschichte zu schreiben. Diese “künftige Geschichte” ist aber auch eine Fortsetzung der vergangenen Geschichte, die zu weitgehend von Nationalgrenzen geprägt war. Der Geschichtsunterricht an den Schulen orientiert sich häufig an dieser Struktur des Territorialdenkens, denn die Geschichte verschiedener Länder und Kulturgebiete wird in getrennten Blöcken behandelt.

Eine Ausnahme unter den geschichtlichen Teildisziplinen bilden von jeher die Historischen Hilfswissenschaften, die als Werkzeug für die Erschließung historischer Quellen einen ausgeprägt grenzübergreifenden Charakter aufweisen. Daher ist die Vermittlung von Geschichte mit Anwendung der Historischen Hilfswissenschaften nicht nur von dem unmittelbaren Bezug auf Nationalgrenzen befreit, sondern kann, wenn ihre Möglichkeiten richtig und zweckmäßig genutzt werden, sogar zu ihrer Überwindung beitragen.

Dieser Gedanke ist an der Universität Passau von der Professur für Historische Hilfswissenschaften und dem Zentrum für Lehrerbildung und Fachdidaktik aufgegriffen worden. Die Verwirklichung dieser Idee drückt sich in den “Unterrichtsmodulen im Internet für grenzüberschreitenden Geschichtsunterricht” aus. Das Gebiet der Euregio Bayerischer Wald - Böhmerwald - Unterer Inn soll als Grundlage für das regionsspezifische Tutorium dienen. Das Projekt stellt eine einzigartige Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen nicht nur zusätzliche Kenntnisse über ihre Heimatregion zu vermitteln, sondern ihnen auch deutlich zu machen, dass diese Heimatregion an der Landesgrenze noch lange kein Ende haben muss.

Grundgedanken

  • Kenntnisse über Entstehung und Wandel europäischer Räume (ausgehend vom Mittelalter)
  • EU-Osterweiterung: Rückkehr zum alten grenzübergreifenden Denken
  • Darstellung historischer Abläufe im Rahmen von Geschichtsunterricht in Verbindung mit historischer Forschung und Historischen Hilfswissenschaften
  • große Chance: der Euregio-Bereich Bayerwald-Böhmerwald-Unterer Inn als Gegenstand (sehr brauchbares Euregio-Gebiet aufgrund historischer Strukturen)
  • Ziel: umfassende Forschung und Lehre (an Schulen und Universitäten) über den historischen Raum des hiesigen Euregio-Gebiets

Architektur des Projekts

Es ist nicht nur Anliegen des Projekts, Jugendlichen als zukünftiger Generation Europas Geschichte zu vermitteln. Dem Projekt liegt vielmehr auch die Überzeugung zugrunde, dass nicht ein nationaler, sondern gerade ein intraregionaler und regional übergreifender Ansatz zur Festigung der Ideale und Prinzipen der Europäischen Union beitragen kann, ohne dabei die jeweilige regionale Eigenart außer Acht zu lassen.
Ziel und Inhalt des Projekts ist es zum einen, eine fundierte und gut verständliche akademische Aufbereitung der verschiedenen Fachgebiete der Historischen Hilfswissenschaften (mit länder- und raumspezifischem Bezug) zu bieten. Zum anderen wollen wir Unterrichtsmodule und Materialien erarbeiten und einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Diese Materialien eignen sich nicht nur für den Geschichtsunterricht, sondern für allgemeine Landes- und Kulturkunde für alle SchülerInnen in allen Jahrgangsstufen gleichermaßen . Bei der Erstellung der Online-Tutorien achten wir besonders auf pädagogische Verknüpfungen (Vernetzung/Verlinkung) der unterschiedlichen Matrialienebenen, um gleichermaßen eine optimale Nutzung für die Lehrer zu gewährleisten und die Selbstnutzung durch SchülerInnen zu ermöglichen. Die Internetdarstellung eignet sich besonders gut für interaktiven Zugang aller Nutzergruppen: Kinder der 3. und 4. Jahrgangsstufe sollen ebenso wie diejenigen der 12. bzw. 13. oder die Studierenden der Universitäten ein geeignetes Zugangsniveau finden, ohne auf spezifisches "Stufenwissen" beschränkt zu sein. So wollen wir Interesse und Freude am eigenständigen Forschen und Nachfragen wecken.

Vorphase

  • Abgleichen der Lehrpläne aus Bayern und der Tschechischen Republik
  • Kontaktaufnahme zu geeigneten Schulen (alle Schularten) für eine Erprobung im Euregio-Gebietsteilen Bayern und Tschechische Republik
  • Erstellung von Rahmenstrukturen, basierend auf dem Lehrplanabgleich, für einzelne Unterrichtseinheiten
  • Entwurf von Unterrichtsmodulen (einsetzbar in allen Schularten)
  • Erprobung der Module im Unterricht an möglichst allen Schularten
  • Umsetzung der Unterrichtsmodule in Webseiten (später auch auf CD-Rom)

Euregio

Euregio

Insbesondere wollen wir die Unterrichtsmaterialien so aufbereiten, dass die Schulen einer Gesamtregion, wie zum Beispiel der Euregio "Bayerischer Wald – Böhmerwald – Unterer Inn" auf denselben Unterrichtstoff zugreifen können, um so zur Entwicklung einer regionalen Identität über die nationalen und sprachlichen Grenzen hinweg beizutragen.

Internationale Kooperation
Ausländische Fachkollegen führen das Projekt an ihren Universitäten durch und sorgen für eine länderspezifische Anpassung.
Dadurch werden auch ausländische Studenten eingebunden.

In die konkrete Ausgestaltung des Projekts sollen darüber hinaus auch junge Nachwuchsakademiker eingebunden werden. Die angedachten Themenbereiche eignen sich hervorragend für Promotionsvorhaben.

Bestehende Kooperationen
Südböhmische Universität Budweis (Tschechische Republik)
Staatsbibliothek zu Berlin - Kartenabteilung
Bayerische Staatsbibliothek - Karten- und Bilderabteilung
Universität Wien (Österreich)
Osher Map Library and Smith Center for Cartographic Education, (Univ. of Southern Maine)*

* USM stellt u.a. umfangreiches Kartenmaterial und Erfahrungswerte aus dem K-12 Modelvorhaben.

euregio/index.htm



„Historische Hilfswissenschaften“ und das Teilgebiet „Historische Kartographie“

Das Fach “Historische Hilfswissenschaften“ stellt die Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe die historischen Quellen erschlossen werden können. Im Bereich der Historischen Kartographie sind dabei insbesondere die unterschiedlichen Darstellungsformen, ihre inhaltlichen und regionalen Schwerpunkte sowie die Intentionen der Kartenproduzenten von großer Bedeutung. Die heutige Vorstellung von 'historischen Räumen' resultiert ganz wesentlich aus den Normierungsleistungen des 19. Jahrhunderts und deren bildhafter Darstellung in Form von Karten sowie der nationalstaatlichen territorialen Gliederung Europas im frühen 20. Jahrhundert. Unentbehrlich für das Verständnis aktueller (z.B. europapolitischer) Zusammenhänge ist historisches Wissen über die Wurzeln unserer Vorstellungen von territorial abgegrenzten Nationalstaaten.

Beispiel

  • Lehrplan: Territorialisierung im Mittelalter
  • Karten des Fürstbistums Passau und angrenzender Herrschaften
  • Verbindung der Kartographie zu anderen Bereichen der Historischen Hilfswissenschaften (Diplomatik, Sphragistik, Heraldik, Numismatik, Insignienkunde)
  • Bereitstellung des Lehrmaterials

dann:

  • gezielter Einsatz durch Lehrer
  • selbsttätige Beschäftigung durch Schüler
  • Nutzung durch Universitäten (Lehrstühle, Studenten)
  • ständige Aktualisierung (Erweiterung des Materials, Erfahrungsaustausch)
    http://www.phil.uni-passau.de/histhw/projekt.html


Über die Projektträger

Das Zentrum für Lehrerbildung und Fachdidaktik an der Uni Passau

ist unter anderem mit dem Aufbau eines Kommunikations- und Kooperationsnetzes zwischen der Hochschule und dem Schulsystem sowie der Entwicklung und dem Einsatz neuer hochschuldidaktischer Theorien und Modelle betraut. Ziel ist es unter anderem, allen Lehrerinnen und Lehrern interessante Fortbildungsangebote anzubieten und aktuelle Themen für den Unterricht zur Verfügung zu stellen, worin sich Theorie und Praxis gegenseitig durchdringen können. Mehr dazu unter www.uni-passau.de/zlf/zentrum/brosch1.pdf

Die Professur für Historische Hilfswissenschaften

Das internationale Projekt wird von Prof. Frenz (Historische Hilfswissenschaften) koordiniert und fachlich betreut.
www.phil.uni-passau.de/frenz


Kontakt

Projekt „Online-Tutorien“

Prof. Dr. Frenz, email: frenz01@pers.uni-passau.de, +49/(0)851/509-2604/-2835
Professur für Historische Hilfswissenschaften

Ihre Fragen können Sie auch an die Projektkoordinatoren richten:

Adéla Jureèková (Euregio-Bereich)
George Carhart (Historische Kartographie)
Tel.: +49 (0)851/509-2859,
email: jureck01@stud.uni-passau.de
george.carhart@uni-passau.de

Universität Passau
Innstraße 40
94032 Passau


Stand: Letzte Aktualisierung 24.10.05