III.3.1. Erfolg von Wikipedia

Der Erfolg der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia lässt sich schon an der Anzahl der eindeutig identifizierbaren Besucher ablesen. Laut „Nielsen//Netratings“ lag im Juni 2006 Wikipedia im Hinblick auf die Besucherzahlen nicht nur im englischsprachigen Netz auf Platz 10, sondern auch unter allen deutschen Websites. Geschlagen wird Wikipedia hier nur von Großunternehmen wie Google, Microsoft, eBay, T-Online oder Amazon.[148]

Dieser Erfolg ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass alle Wikipedia-Artikel im Gegensatz zu den renommierten, kommerziellen Enzyklopädien frei zugänglich sind. Dazu kommt, dass die Artikel der „GNU Free Documentation License[149] unterliegen, welche das Urheberrecht der Autoren so einschränkt, dass die Inhalte von Wikipedia sowohl privat als auch kommerziell weitergegeben und verarbeitet werden dürfen. Zu der großen Aufmerksamkeit, die Wikipedia zu Teil wird, hat auch die Art und Weise, wie die einzelnen Artikel produziert werden, entscheidend beigetragen. Dadurch, dass jeder an Wikipedia mitwirken kann, indem er noch nicht existierende Artikel erstellt oder bereits bestehende erweitert und verbessert, kann der Nutzer gleichzeitig sowohl die Rolle des Lesers als auch die des Autors einnehmen.[150]

Technisch wird dies möglich über eine sogenannte Wiki“-Softwareschlage den Begriff „Wiki“-Software im Glossar nach. Ein Wiki ist eine Website, deren Inhalt von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern über eine jedem offen stehende Berarbeitungsfunktion auch online geändert werden kann.[151] In diesem Sinne gehören nicht nur Projekte wie Wikipedia oder Wikisource, die „Wiki“ im Namen tragen, sondern auch beispielsweise das Project Gutenberg zu den Wikis. Zur Bearbeitung des Inhalt steht eine eigene Syntax für Formatierungsangaben zur Verfügung, mit der auch Hyperlinks zu anderen Artikeln gesetzt werden können. Die Autoren müssen daher nicht mit HTML vertraut sein, um die Inhalte gestalten zu können, und sind so in der Lage, die einzelnen Artikel untereinander mit einem engmaschigen Netz aus Hyperlinks zu verbinden.

Wenngleich Wikipedia mittlerweile ein umfangreiches Regelwerk für Autoren erstellt hat, soll den potentiellen Autoren eine Teilnahme dennoch möglichst einfach gemacht werden. Wer ohne lange Einarbeitung sofort loslegen will, findet einen Schnelleinstieg unter Erste Schrittehttp://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Erste_Schritte (in einem neuen Fenster), außerdem bietet die Seite Tutorialhttp://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Tutorial (in einem neuen Fenster) eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Autoren. Ausführliche Hinweise zu den Regeln und zur Qualitätssicherung finden sich im Handbuchhttp://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Handbuch (in einem neuen Fenster).

Dank der niedrigen Zugangsbarrieren hat sich Wikipedia seit der Gründung im Jahre 2001 innerhalb weniger Jahre zur - gemessen an der Anzahl der Artikel - weltweit umfangreichsten Enzyklopädie entwickelt. Im Oktober 2006 umfasste die englische Wikipedia schon mehr als 1,4 Millionen Artikel, die deutschsprachige Wikipedia als zweitgrößte Ausgabe näherte sich der 500.000-Marke.[152] Die Online-Ausgabe der Britannica beinhaltete zum selben Zeitpunkt nur knapp über 120.000 Artikel.[153] Für eine potentiell größere Zielgruppe sorgt auch die Vielsprachigkeit von Wikipedia: Es existieren Artikel in über 200 Sprachen und Dialekten. Im Oktober 2006 gab es neben Englisch und Deutsch 9 weitere Sprachen mit mehr als 100.000 Artikeln.[154] Diese große Anzahl an Wikipedia-Artikeln ist auch dadurch bedingt, dass Wikipedia nicht wie die gedruckten Enzyklopädien eine bestimmte Seitenzahl einhalten muss und die Themenauswahl nicht redaktionell eingeschränkt wird. Somit finden auch sehr spezielle Informationen und Nischenthemen Eingang in Wikipedia.[155]



[148] Vgl. NetRatings, Inc., <Germany: Top 10 Parent Companies, Month of September 2006, Home/Work Panel>, online unter: http://www.nielsen-netratings.com/reports.jsp?section=pub_reports_intl&report=parent&period=monthly&panel_type=4&country=Germanyhttp://www.nielsen-netratings.com/reports.jsp?section=pub_reports_intl&report=parent&period=monthly&panel_type=4&country=Germany (in einem neuen Fenster), Abruf: 02.08.2006.

[149] Die Originalfassung der GNU Free Documentation License in englischer Sprache ist unter http://www.gnu.org/licenses/fdl.htmlhttp://www.gnu.org/licenses/fdl.html (in einem neuen Fenster) abrufbar.

[150] Vgl. Herwig 2005, S. 156.

[151] Vgl. Erik Möller, „Das Wiki-Prinzip. Tanz der Gehirne Teil 1“, 09.05.2003, online unter: http://www.telepolis.de/r4/artikel/14/14736/1.htmlhttp://www.telepolis.de/r4/artikel/14/14736/1.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 31.10.2006.

[152] Vgl. Wikimedia Foundation Inc., <List of Wikipedias>, online unter: http://meta.wikimedia.org/w/index.php?title=List_of_Wikipedias&oldid=444142http://meta.wikimedia.org/w/index.php?title=List_of_Wikipedias&oldid=444142 (in einem neuen Fenster), Abruf: 03.10.2006.

[153] Vgl. Encyclopædia Britannica, Inc., <Why Try Britannica Online?>, online unter: http://www.britannica.com/premiumhttp://www.britannica.com/premium (in einem neuen Fenster), Abruf: 03.10.2006.

[155] Vgl. Christian Schlieker/Kai Lehmann, „Verknüpft, Verknüpfter, Wikis“, in: Kai Lehmann/Michael Schetsche (Hg.), Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens, Bielefeld 2005, S. 255.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier