III.2.2.2. Manipulation der Suchergebnisse

Der Kampf um gute Suchmaschinenplatzierungen führt dazu, dass Inhaber von Websites versuchen, die Ergebnislisten der Suchmaschinen zu beeinflussen. Besonders das PageRank-System von Google ist oft Ziel von gezielten Manipulationsversuchen, obwohl die Algorithmen geheim gehalten werden.[142] Bei ungenauen Suchanfragen kann es vorkommen, dass eine Suchmaschine mehrere Millionen Treffer liefert. Selbst wenn die Anfrage genau genug gestellt wurde und „nur“ einige Hundert Treffer übrig bleiben, klickt sich kaum ein Benutzer bis zur letzten Seite durch und inspiziert die dort aufgeführten Verweise. Umso größer ist der Anreiz, durch Tricks die eigene Website auf die erste Seite der Trefferliste zu bringen. Auf http://www.linksandlaw.de/suchmaschinen-leitfaden-zur-Manipulation-von-Suchergebnissen.htmhttp://www.linksandlaw.de/suchmaschinen-leitfaden-zur-Manipulation-von-Suchergebnissen.htm (in einem neuen Fenster) findet man eine ganze Reihe von erprobten Techniken, Trefferlisten zu eigenen Gunsten zu beeinflussen.

Da Google die Anzahl der Links, die auf eine Seite verweisen, miteinkalkuliert, fanden lange Zeit sogenannte Doorway-Pagesschlage den Begriff Doorway-Pages im Glossar nach rege Anwendung. Diese Seiten dienen einzig dem Zweck, auf die eigentliche Website weiterzuleiten und so eine hohe Wichtigkeit vorzutäuschen. Diese Praktik nahm derart überhand, dass Google energisch dagegen vorging. Das führte sogar dazu, dass zeitweise die Website von BMW aus dem Index genommen wurde.[143] Vom Prinzip her ähnlich funktioniert das sogenannte Google-Bombingschlage den Begriff Google-Bombing im Glossar nach. Dabei setzen eine größere Anzahl von Websitebesitzern in Absprache einen Link auf eine andere Seite, um ihr ein besseres Ranking zu verschaffen. Aufsehen erregte folgender Fall: Um eine antisemitische Website, die von Google auf Platz 1 bei der Suche nach „Jew“ gelistet wurde, von ihrem Platz zu verdrängen, verabredete sich die Blog-Communityschlage den Begriff Blog-Community im Glossar nach, auf ihren Seiten das Wort „Jew“ mit dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag zu verlinken. Tatsächlich konnte die antisemitische Website von Platz 1 verdrängt werden.[144] Diese Beispiele sollen genügen, um zu zeigen, wie anfällig Suchmaschinen für Manipulationen sind.

Auch wenn das Gros der Einträge einer Suchmaschine automatisch durch die Spider zusammen getragen wird, kam es immer wieder vor, dass sich Unternehmen eine Hervorhebung des Links oder ein besseres Ranking erkauften. Die wichtigsten Einnahmequellen von Suchmaschinenanbietern sind Sponsoring und kommerzielle Links.[145] Diese stehen zwar in der Regel speziell gekennzeichnet außerhalb der eigentlichen Trefferliste, dennoch haben, wie die Studie des „Pew Internet and American Life Project“ zeigt, viele Benutzer Schwierigkeiten, kommerzielle Links und normale Treffer zu unterscheiden. Dies kann nicht nur ärgerlich, sondern sogar gefährlich werden. So führten Anfang 2006 bei einer Google-Suche nach „screensavers“ 60% der Sponsor-Links zu Anbietern von Spywareschlage den Begriff Spyware im Glossar nach. Die Kontrolle der Qualität wird also auch im redaktionell betreuten Teil der Pflege der Einnahmequellen untergeordnet.[146] Die Google-Funktion „Auf gut Glück“, die automatisch auf den ersten, womöglich gefährlichen Treffer weiterleitet, verbietet sich daher von selbst. Die Güte der normalen Suchmaschineneinträge ist dabei nicht viel besser, da sie automatisch erzeugt und nicht redaktionell geprüft werden: Direkt unter brauchbaren Informationen lassen sich oft Verdrehungen der Wirklichkeit finden. Als Beispiel seien die Verschwörungstheorien genannt, die sich nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 stark verbreiteten und bei Google an prominenter Stelle zu finden sind.[147]



[142] Vgl. Patzwaldt 2005, S. 79.

[143] Vgl. Süddeutsche Zeitung - Online-Ausgabe, „"Keine Informationen gefunden". Google legt sich mit BMW an“, 05.02.2006, online unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/597/69528/http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/597/69528/ (in einem neuen Fenster), Abruf: 25.06.2006.

[144] Vgl. Andrea Livnat, „Google-Bombing“, 12.04.2004, online unter: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17175/1.htmlhttp://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17175/1.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 24.06.2006.

[146] Vgl. Frank Ziemann, „Unseriös: Bezahlte Suchmaschinen-Treffer enden oft bei Spyware“, 07.02.2006, online unter: http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/756/69687/http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/756/69687/ (in einem neuen Fenster), Abruf: 25.06.2006.

[147] Vgl. Michael Schetsche, „Die ergoogelte Wirklichkeit. Verschwörungstheorien und das Internet“, 04.05.2005, online unter: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19964/1.htmlhttp://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19964/1.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 24.06.2006.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier