III.1.2.5. Aktualität

Im WWW existieren viele Seiten, die seit langem nicht mehr gepflegt werden, aber auch nicht vom Netz genommen wurden. Dies heißt jedoch nicht automatisch, dass die dort enthaltenen Informationen ungültig geworden sind. Es hängt vielmehr von der wissenschaftlichen Disziplin und vom konkreten Thema ab, dem sich ein Dokument widmet. Informationen über sich rasch entwickelnde Disziplinen wie der Informatik sind schnell veraltet.[120] Dies muss aber nicht unbedingt für Arbeiten im Fach Geschichte gelten. Angesichts der Tatsache, dass viele wichtige, noch heute gültige Werke der Geschichtswissenschaft bereits 20, 30 oder sogar 100 Jahre alt sind, kann man Informationen, die auf einer fünf Jahre alten Seite im Netz gefunden wurden, kaum antiquiert nennen. Hier muss man im Einzelfall entscheiden, ob man in einem speziellen Thema auf den aktuellsten Forschungsstand angewiesen ist, sofern in den letzten Jahren überhaupt neue Erkenntnisse gewonnen wurden. Allerdings verliert eine seit Jahren nicht mehr aktualisierte Seite ihren Mehrwert als Hypertext-Dokument: Viele der auf ihr genannten Links werden auf nicht mehr existierende Online-Ressourcen verweisen. Dieser Umstand kann das Kriterium der Überprüfbarkeit verletzen. Auch Informationen zum Autor wie seine Kontaktdaten könnten veraltet sein.[121]

Verlässliche Quellen sollten nicht nur das Datum ihrer Ersterstellung nennen, sondern auch das der letzten Aktualisierung. Weitere Hinweise auf das Alter kann man außerdem über die Anzahl der toten Links erhalten.[122] Schließlich kann man noch auf eine etwas technischere Methode zurückgreifen. Das im WWW verwendete Protokoll HTTP verlangt, dass der Server bei der Übertragung eines Dokuments auch den Zeitpunkt der letzten Aktualisierung der Datei übermitteln muss. Diese Information kann zwar nicht direkt im Browser angesehen, jedoch über den Dienst „Page Freshness?“ von „Bookmarklets“ (http://www.bookmarklets.com/tools/data/index.phtmlhttp://www.bookmarklets.com/tools/data/index.phtml (in einem neuen Fenster)) abgefragt werden. Für den Browser „Firefox“ bietet sich die Erweiterung „Web Developer“ (http://chrispederick.com/work/webdeveloper/http://chrispederick.com/work/webdeveloper/ (in einem neuen Fenster)) an. Der Zeitpunkt der letzten Modifikation kann über die Funktion „Informationen > Seiteninformationen anzeigen“ eingesehen werden. Zu bedenken ist jedoch, dass diese Methode versagt, wenn eine Webseite bei jedem Aufruf neu generiert wird. Dies ist der Fall bei Websites, die an eine Datenbank angebunden sind. Diese zu identifizieren kann jedoch sehr schwer sein. Zwar lassen die Dateiendungen .html oder .htm auf statische, die Endungen .php, .jsp, .asp, .aspx, .cgi, .pl oder .py auf dynamische Seiten schließen, doch lässt sich die URL durch eine entsprechende Konfiguration des Webservers beliebig umschreiben.[123]



[122] Vgl. Jim Kapoun, „Teaching undergrads WEB evaluation: A guide for library instruction“, in: College and Research Libraries News, Bd. 59 (1998), Nr. 7, online unter: http://www.ala.org/ala/acrl/acrlpubs/crlnews/backissues1998/julyaugust6/teachingundergrads.htmhttp://www.ala.org/ala/acrl/acrlpubs/crlnews/backissues1998/julyaugust6/teachingundergrads.htm (in einem neuen Fenster), Abruf: 02.09.2006.

[123] Diese „URL Rewriting“ genannte Technik wird meist dann verwendet, wenn die URL ein übersichtlicheres Format bekommen und suchmaschinenfreundlicher werden soll.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier