III.1.2.4. Objektivität

Bei der Beurteilung der Objektivität eines Textes ist man weitgehend auf sich allein gestellt. Dabei ist nicht völlige Objektivität das zu bewertende Kriterium, da selbst wissenschaftliche Beiträge nie ganz frei von persönlicher Meinung sein können.[112] Entsprechend sind Texte, die eine gewisse Subjektivität erkennen lassen, nicht automatisch wertlos. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob der Autor seinen persönlichen Standpunkt deutlich kennzeichnet oder ob er versucht, ihn versteckt zu äußern. Gerade solche Seiten sind, wenn sie sich seriös und wissenschaftlich geben, schwer zu entlarven. Da es in der Geschichtswissenschaft oft verschiedene Interpretationen zu einem Thema gibt, sollte der Autor auch andere Sichtweisen, die in der Forschung vertreten werden, erwähnen.[113] In jedem Fall sollte man sich aber von der Vorstellung verabschieden, extrem subjektive Standpunkte immer leicht erkennen zu können. Besondere Vorsicht und Vergleiche mit anderen Arbeiten sind bei der Beurteilung der Objektivität einer Online-Ressource dringend geboten.

Dennoch gibt es Möglichkeiten, manipulative Seiten leichter erkennen zu können. Zunächst sollte man versuchen zu klären, warum ein Dokument erstellt und online verfügbar gemacht wurde und welches die Zielgruppe der Seite ist.[114] Um Interessenkonflikte aufzudecken, sollte man darauf achten, ob eine Seite klar gekennzeichnete oder versteckte Werbung enthält oder auf irgendeine Art und Weise gesponsert wird. Leider ist nicht immer ersichtlich, ob ein Geldgeber existiert, und, wenn dies der Fall ist, wer er ist und welche Ziele er verfolgt.[115] Eine Voreingenommenheit des Autors kann sich auch in der verwendeten Sprache niederschlagen. Pauschalurteile, abwertende Bezeichnungen sowie offensichtliche Übertreibungen lassen auf eine tendenziöse Arbeit schließen.[116] Verweisen viele Links einer Seite auf andere Stellen innerhalb der Arbeit und nur wenige auf externe Ressourcen, so kann dies einer engen thematischen Abgrenzung und einem Mangel an vergleichbaren Quellen geschuldet sein. Dennoch sollte man sich darüber Gedanken machen, ob der Autor die Wahrnehmung des Lesers beeinflussen und von anderen Darstellungen ablenken will.[117] Externe Links sollten ebenfalls auf verlässliche und objektive Ressourcen verweisen. Dies gilt auch in umgekehrter Richtung: Es kann sehr aufschlussreich sein, welche anderen Seiten das zu untersuchende Dokument verlinken.[118] Diese lassen sich entweder über eine Suchmaschinenabfrage, die aus dem Modifikator „link:“ und der URL des Dokuments besteht, oder über die Suchmaschine Alexa, bei der die Eingabe der URL in das Suchfeld genügt, ermitteln. Über die „Wayback Machine“ (http://web.archive.org/web/http://web.archive.org/web/ (in einem neuen Fenster)), eine Art Archiv für Websites, können frühere Versionen einer Seite abgefragt und damit deren Entwicklung nachvollzogen werden.

Besonders problematisch ist die Beurteilung von Bildern. Abbildungen von Dokumenten oder historischen Fotografien können eingesetzt werden, um den eigenen Standpunkt zu untermauern. Allerdings sind mit moderner Bildbearbeitungssoftware Manipulationen möglich, die Feststellung der Echtheit ist durch das menschliche Auge nicht möglich. Um nicht geschickt kaschierten Falschinformationen aufzusitzen, sollte man versuchen, den Urheber der Seite und dessen Ziele und Glaubwürdigkeit zu ermitteln.[119]



[112] Das Werturteilsproblem soll an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Es sei an dieser Stelle allerdings darauf hingewiesen, dass einige Denkschulen wie der „Kritische Rationalismus“ durchaus die Werturteilsfreiheit wissenschaftlicher Arbeiten postulieren.

[115] Vgl. Susan E. Beck, „The Good, The Bad & The Ugly: or, Why It's a Good Idea to Evaluate Web Sources. Evaluation Criteria“, Juli 1997, online unter: http://lib.nmsu.edu/instruction/evalcrit.htmlhttp://lib.nmsu.edu/instruction/evalcrit.html (in einem neuen Fenster), Stand: 02.09.2006, Abruf: 02.09.2006.

[117] Vgl. Reagan 2002, S. 56.

[119] Vgl. Lacher-Feldman 2002, S. 30.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier