III.1.2.3. Überprüfbarkeit

Da im Internet eine Instanz fehlt, die alle Texte vor der Veröffentlichung prüft, kann jeder seine Gedanken online stellen. Die Anzahl der Dokumente, die Falschmeldungen, Nonsens oder nur persönliche Ansichten enthalten, ist daher sehr groß. Man denke nur an die zahlreichen Verschwörungstheorien, die im Netz kursieren.[105] Daraus folgt, dass den Worten eines Autors nicht geglaubt werden sollte, solange seine Aussagen nicht mit Hilfe anderer Quellen verifiziert wurden. Es gilt der Grundsatz, dass man im Zweifelsfall tatsächlich zweifeln sollte.[106]

Die Verifizierbarkeit von Informationen wird auch im Internet in erster Linie durch eine korrekte Zitierweise, Fußnoten und eine Bibliografie sichergestellt. Ein weiteres Problem ergibt sich allerdings dadurch, dass viele Dokumente nicht originär für die Veröffentlichung im Netz geschrieben wurden. Falls dies der Fall ist, sollte auf der Seite anhand korrekter bibliografischer Angaben erkennbar sein, woher der Text stammt und welches seine ursprüngliche Publikationsform war.[107] Dies ist insofern von Bedeutung, da beispielsweise im Internet veröffentlichte Aufsätze, die Teil eines Fachmagazins sind, sich der Kritik der „scientific community“ stellen mussten. Aber auch Websites, deren Inhalt nicht auf gedruckten Publikationen basiert und z.B. von Privatleuten zusammengestellt wurde, können von Fachmagazinen oder Bibliotheken bewertet werden. Hierbei sollten die Kriterien der Bewertung offen gelegt werden.[108]

Problematischer wird die Beurteilung der Überprüfbarkeit bei Forschungsarbeiten, die sich auf bisher noch nicht veröffentlichte Daten stützt. Hier sollte der Autor seine Quellen ausführlich nennen und bei selbst erhobenen Daten die Methoden darlegen, mit denen sie gesammelt und interpretiert wurden. Die Methodik sollte zudem dem untersuchten Gegenstand angemessen sein und eine Reproduzierbarkeit der Ergebnisse erlauben.[109] Da sich jede Arbeit aus einer Mischung aus Neuem und Altem zusammensetzt, kann sich die Analyse der Überprüfbarkeit auch auf die Bereiche beziehen, die in der Wissenschaft schon ausführlich erörtert wurden. Mangelt es hier an Verifizierbarkeit, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die in der Forschungsarbeit neu gewonnenen Erkenntnisse ebenfalls nicht ausreichend gestützt werden können.[110]

Bei sehr interpretationslastigen Themen sollte man bedenken, dass es immer eine gewisse Anzahl an Wissenschaftlern gibt, die eine bestimmte Meinung vertreten. Idealerweise sind diese in der Bibliografie genannt. Zur Verifikation von Standpunkten sollte man wenigstens drei nach den hier dargebrachten Kriterien verlässliche Arbeiten finden, die in ihrer Interpretation übereinstimmen. Bei stark abweichenden Meinungen sollte man sich einen Überblick über die in der Wissenschaft vertretenen Standpunkte machen, bevor man eine Schlussfolgerung zieht.[111]



[105] Vgl. Mathias Bröckers, „Das Internet, Nährboden für Konspiration und Garant dezentraler Kontrolle, und die Geldverschwörung. Alles unter Kontrolle? Verschwörungen, Vertuschungen, Fake - Teil II“, 26.05.2000, online unter: http://www.telepolis.de/r4/artikel/8/8195/1.htmlhttp://www.telepolis.de/r4/artikel/8/8195/1.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 03.09.2006.

[106] Vgl. John R. Henderson, „ICYouSee: T is for Thinking. A Guide to Critical Thinking About What You See on the Web. When in doubt, doubt“, o.J., online unter: http://www.ithaca.edu/library/training/think2.htmlhttp://www.ithaca.edu/library/training/think2.html (in einem neuen Fenster), Stand: 09.01.2006, Abruf: 02.09.2006.

[109] Vgl. Kirk 1996.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier