II.4.1. Benutzung von Online-Bibliothekskatalogen und Literaturdatenbanken

Da OPACs moderne Suchtechnologien implementieren, bieten sie einen ähnlichen Umfang an Funktionen wie Suchmaschinen. Glücklicherweise verfügen praktisch alle OPACs, Verbundkataloge und Literaturdatenbanken über eine Online-Hilfe, die man ausführlich studieren sollte, da sie alle Eingabemöglichkeiten im Detail beschreiben. Daher werden an dieser Stelle nur die wichtigsten Aspekte zusammengefasst, die für fast alle Kataloge gelten.

Neben einer einfachen Suche, bei der nur ein Eingabefeld zur Verfügung steht und automatisch alle Felder durchsucht werden, existiert auch eine erweiterte Suche mit meist drei oder vier frei definierbaren Suchfeldern. In der Standardeinstellung werden in der Regel die Felder „Autor“, „Titelwörter“ und „Schlagwort“ durchsucht. Über Auswahllisten kann unter anderem auch „Verlag“, „Verlagsort“, „Erscheinungsform“, „Erscheinungsjahr“, „Institution“, „ISBN“ oder verschiedene Notationen eingestellt werden, sollte dies bei der Suche notwendig sein. Allein der Karlsruher Virtuelle Katalog gibt feste Suchfelder vor.

Abbildung II.4.1. Bildschirmausschnitt: Suchmaske des Bayerischen Verbundkatalogs (11.09.2006)

Bildschirmausschnitt: Suchmaske des Bayerischen Verbundkatalogs

Je nach Suchfeld gibt es verschiedene Eingabekonventionen. Der Autor ist im Format [ Nachname, Vorname ] anzugeben, wobei der Vorname optional ist. Pro Suchfeld darf nur ein Autor angegeben werden. Will man nach mehreren Autoren suchen, so muss für jeden Autor ein eigenes Suchfeld ausgefüllt werden. Artikel, Konjunktionen und Präpositionen werden als Stop-Wörter in allen Suchfeldern außer im Suchfeld „Titelanfang“ ignoriert. Dieses Suchfeld kann verwendet werden, wenn der Titel genau bekannt ist. Alternativ kann eine exakte Wortfolge durch Anführungszeichen erzwungen werden, z.B. [ "König von Italien" ]. Im Gateway Bayern sind hingegen Anführungszeichen für diesen Fall nicht erlaubt, dafür existiert ein Suchfeld „Titel exakt“. Groß- und Kleinschreibung braucht hingegen generell nicht berücksichtigt werden.

OPACs verstehen wie Suchmaschinen die boole'schen Operatoren UND, ODER und NICHT. Zum einen können die Suchfelder mit diesen logischen Operatoren verknüpft werden. Dazu stehen eigene Auswahlfelder mit „und“, „oder“ sowie „und nicht“ zwischen den Suchfeldern zur Verfügung. Sollen innerhalb eines Suchfeldes, beispielsweise im Feld „Titelwörter“, mehrere Begriffe logisch verknüpft werden, so müssen diese wie bei Suchmaschinen von Hand eingegeben werden. Allerdings sind bei den meisten OPACs und Verbundkatalogen die englischen Pendants AND, OR sowie NOT zu verwenden, die man im Zweifelsfall groß schreiben sollte. Um herauszufinden, ob die englischen Operatoren oder doch die deutschen wie z.B. bei Chronicon verwendet werden, sollte die Suchhilfe konsultiert werden. Eine Suche nach Werken, die im Titel „Borja“ oder „Borgia“ enthalten, erfordert beispielsweise die Abfrage [ Borja OR Borgia ] im Suchfeld „Titelwörter“. Mehrere Begriffe, die nur durch Leerzeichen voneinander getrennt sind, werden implizit mit AND verknüpft. Der Dreiländerkatalog und der Karlsruher Virtuelle Katalog erlauben keine explizite Eingabe von boole'schen Operatoren.[39]

Sollen in einem Suchfeld mehrere Wörter durch verschiedene boole'sche Operatoren verknüpft werden, kann dies zu Schwierigkeiten führen. Man könnte versucht sein, für eine Suche nach Werken, die entweder „Cesare Borgia“ oder „Rodrigo Borgia“ im Titel enthalten, den Suchausdruck [ Borgia AND Cesare OR Rodrigo ] zu verwenden. Dieser könnte aber auch so verstanden werden, dass die Wörter „Borgia“ und „Cesare“ gleichzeitig vorkommen müssen, oder aber, falls dies nicht der Fall ist, auch Einträge mit dem Wort „Rodrigo“ allein akzeptiert werden. Da in der Informatik AND stärker bindet als OR, würde der Ausdruck von den meisten Systemen so ausgewertet. Das ist aber unsinnig und vom Nutzer wohl nicht gewünscht. Man kann dieses Problem allerdings umgehen, indem man den Suchausdruck in zwei Teile gliedert. Zunächst werden zwei Suchfelder „Titelwörter“ definiert. Dann trägt man in das erste dieser Suchfelder [ Borgia ] ein, in das zweite hingegen den Ausdruck [ Cesare OR Rodrigo ]. Zuletzt werden beide Suchfelder über das zugehörige Auswahlfeld mit „und“ verknüpft. Diese Vorgehensweise führt dazu, dass das System implizit Klammern einfügt, so dass sich der Suchausdruck [ Borgia AND (Cesare OR Rodrigo) ] ergibt, und ensprechend den Regeln der Mathematik der in runden Klammern stehende Ausdruck zuerst ausgewertet wird.

Zur Suche nach verschiedenen Schreibweisen oder Wortableitungen bietet sich die Verwendung von Trunkierungszeichen, auch Wildcardsschlage den Begriff Wildcards im Glossar nach genannt, an. Ein „?“ (Fragezeichen) ersetzt genau ein Zeichen, ein „*“ (Asterisk) eine unbestimmte Anzahl an Zeichen. Wildcards können am Ende oder innerhalb eines Wortes verwendet werden, nicht aber am Anfang. So findet eine Suche nach [ Kaiser* ] beispielsweise auch „Kaisertum“, „Kaiserreich“ und „Kaiserwürde“. Eine Suche nach [ M?ier ] würde sowohl Personen mit Namen „Maier“ als auch „Meier“ finden, nicht aber „Mayr“. Der Karlsruher Virtuelle Katalog erlaubt allerdings nur Rechtstrunktierung mit „?“.[40]

Bei der Recherche kann die Indexsuche eine echte Hilfe sein. Zu den meisten Suchfeldern wie Autor, Titelwörter oder Schlagwort existiert ein Stichwortverzeichnis, das über den Button „Index“ direkt neben den Eingabefeldern aufgerufen werden kann. Durch ihn kann vorab geprüft werden, wie viele Einträge mit dem gesuchten Begriff verknüpft sind und welche ähnlichen Schlagwörter existieren. Der Index kann auch zu Wortanfängen aufgerufen werden. So könnte ein zu [ König ] aufgerufener Index beispielsweise die Schlagwörter „König“, „Königin“, „königlich“, „Königgrätz“ beinhalten. Durch die einzelnen Seiten der Schlagwortliste kann mit Hilfe der Pfeilsymbole navigiert werden. Durch Anklicken eines Schlagwortes kann dieses direkt in das Suchformular übernommen werden.

Abbildung II.4.2. Bildschirmausschnitt: Indexsuche zum Schlagwort „Staufer“ im OPAC der Universität Passau (11.09.2006)

Bildschirmausschnitt: Indexsuche zum Schlagwort „Staufer“ im OPAC der Universität Passau

Meta-Kataloge wie der Karlsruher Virtuelle Katalog oder Chronicon erlauben ähnlich den Meta-Suchmaschinen eine Auswahl der Bibliothekskataloge und Literaturdatenbanken, die abgefragt werden sollen. Eine wohl bedachte Auswahl ist hier vonnöten, denn je mehr verschiedene Kataloge abgefragt werden, desto länger dauert die Abfrage. So wird Literatur zur Geschichte Osteuropas eher in den Beständen eines Osteuropa-Instituts zu finden sein als in einem Literaturkatalog zur amerikanischen Geschichte. Die Datenbanken, die abgefragt werden sollen, werden einfach per Mausklick abgehakt.

Abbildung II.4.3. Bildschirmausschnitt: Suchmaske von Chronicon (11.09.2006)

Bildschirmausschnitt: Suchmaske von Chronicon

Während die Suche in den Katalogen jedermann offen steht, ist die Fernleihe bei den Verbundkatalogen ebenso wie eine Reihe weiterer Funktionen wie persönliche Einstellungen oder eine Suchhistorie nur nach einer Anmeldung am System möglich. Universitätsangehörige verfügen bereits über eine Kennung für den örtlichen OPAC, mit der sie sich auch bei den Bibliotheksverbunden anmelden können, denen die Bibliothek angehört. Wer keine Kennung einer teilnehmenden Bibliothek besitzt, kann sich ebenfalls bei den Verbundkatalogen registrieren, die Möglichkeit einer Fernleihe entfällt dann aber. Meta-Kataloge liefern lediglich Bestandsinformationen, eine Fernleihe ist nur auf der Ebene der Verbundkataloge möglich, bei denen der Treffer ermittelt wurde. Chronicon bietet allerdings auch eine Dokumentenlieferung nach Registrierung an.



[39] Vgl. Universitätsbibliothek Karlsruhe, <Hilfe>, online unter: http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/hylib/kvk_help.htmlhttp://www.ubka.uni-karlsruhe.de/hylib/kvk_help.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 24.10.2006.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier