II.3.3. Nutzen und Validierung von Geschichtsportalen

Geschichtsportale haben den entscheidenden Vorteil, dass sie nur Ressourcen zu geschichtlichen Themen bündeln und Fachfremdes außen vor bleibt. Das spart Zeit bei der Suche. Bei Fachportalen kümmern sich zumeist erfahrene Wissenschaftler um ihre Rubrik und werden als Verantwortliche explizit genannt. Das verschafft den Angeboten eine große Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit. Die teils recht umfangreichen und sinnvoll gegliederten Linklisten beinhalten Verweise auf Seiten, die mit Hilfe von Suchmaschinen oder Webkatalogen sehr schwer oder gar nicht zu finden sind.

Trotzdem ist auch bei Geschichtsportalen Vorsicht geboten. Neben vielen zweifellos guten Angeboten tummeln sich einige schwarze Schafe oder Portale von zumindest zweifelhaftem Nutzen im Netz. Als Beispiel sei hier der „Geschichtsring Deutschland“, ein Webringschlage den Begriff Webring im Glossar nach von Geschichtsseiten, und „geschi.de“ genannt, bei denen die Qualität der aufgenommenen Seiten offensichtlich unzureichend kontrolliert wird. Das soll nicht heißen, dass auf solchen Portalen nicht auch Links und Dokumente gefunden werden können, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Bei der großen Anzahl an zuverlässigeren Geschichtsportalen stellt sich allerdings die Frage, ob man auf derartige Angebote überhaupt zugreifen muss.

Zwei Anhaltspunkte, um die Güte eines Portals zu bewerten, sind die Nennung des Betreibers und die Regelmäßigkeit der Aktualisierung.[35] Der Betreiber muss nach geltendem Recht im Impressum genannt sein, sobald ein Online-Auftritt ein nachhaltiges, dauerhaftes Angebot darstellt.[36] Dies trifft selbstverständlich auch auf Geschichtsportale zu, unabhängig davon, ob sie kommerzieller oder gemeinnütziger Natur sind. Handelt es sich um Portale, die von renommierten Lehrstühlen oder Instituten betrieben werden, weist dies auf eine hohe Qualität hin. Dieses Kriterium allein ist jedoch nicht ausreichend. So sind Portale anderer Träger nicht zwangsweise schlecht, wie der Nachrichtendienst für Historiker beweist. Andererseits sind auch vermeintliche Experten kein alleiniger Garant für Qualität. Aus nahe liegenden Gründen sollte man zudem auf das Datum der letzten Aktualisierung achten, dessen Ausweisung bei professionellen Online-Angeboten zum guten Ton gehört. Da Websites ebenso schnell wieder aus dem Netz verschwinden können, wie sie erschienen sind, beinhalten veraltete Linksammlungen meist eine große Anzahl toter Links, während viele neuere Websites fehlen. Letztendlich bleibt aber bei der Beurteilung eines Geschichtsportals nur die gewissenhafte Prüfung aller Inhalte des Portals. Da dies nicht von jedem einzelnen zu leisten ist, sollte man auf bewährte Adressen zurückgreifen.

Ist die Verlässlichkeit eines Geschichtsportals geklärt, eignet es sich hervorragend als Ausgangspunkt einer Online-Recherche. Trotzdem ist eine ergänzende Suche mit anderen Hilfsmitteln - auch anderen Portalen - sinnvoll, denn beinahe jedes Fachportal zeigt bei genauerem Hinsehen kleinere Schwächen. Die Startseite der Virtual Library Geschichte wurde seit Anfang 2004 nicht mehr aktualisiert, nur noch einige Kategorien, deren Layout und Aufbau sehr uneinheitlich ist, scheinen weiter aktiv gepflegt zu werden.[37] Der Nachrichtendienst für Historiker bietet nur wenige Links zur Neuzeit an, andererseits steht in den gut gefüllten Kategorien oft Zentrales neben eher Belanglosem. Clio-Online und historicum.net sind etwas unübersichtlich und decken ebenfalls nicht alle Teilgebiete gleichermaßen ab. Dennoch sind Geschichtsportale eines der wichtigsten Hilfsmittel des Historikers bei der Informationsbeschaffung im Internet.



[35] Vgl. Esther Grassian, „Thinking Critically about World Wide Web Resources“, Juni 1995, online unter: http://www.library.ucla.edu/libraries/college/help/critical/index.htmhttp://www.library.ucla.edu/libraries/college/help/critical/index.htm (in einem neuen Fenster), Stand: 13.06.2006, Abruf: 04.08.2006.

[36] Vgl. Stefan Ott, „Impressum erstellen leicht gemacht - Hinweise zur richtigen Gestaltung“, Juni 2004, online unter: http://www.linksandlaw.info/hinweisezuranbieterkennzeichnung.htmhttp://www.linksandlaw.info/hinweisezuranbieterkennzeichnung.htm (in einem neuen Fenster), Abruf: 04.08.2006.

[37] Diese Aussage stützt sich auf Beobachtungen im August 2006.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier