II.1.3. Nutzen und Validierung von Suchmaschinen

Die vermeintlich einfache Handhabung der Suchmaschinen wiegt den Benutzer in falscher Sicherheit. Zum einen liefern sie nur die gewünschten Ergebnisse, wenn man strukturiert herangeht und Erfahrung im Umgang und der Formulierung von Suchanfragen besitzt.[16] Zum anderen sollte man den Suchergebnissen große Vorsicht entgegen bringen.

Trotz des Einsatzes modernster Technik ist nur ein Bruchteil der im WWW vorhandenen Seiten in den Suchmaschinen verzeichnet. Daneben kann der Suchmaschinenbetreiber einzelne Seiten entfernen, beispielsweise wenn sie gegen nationales Recht verstoßen. Die Ergebnisübersicht kann daher nie alle real zu einem Thema vorhandenen Online-Angebote umfassen. Da dem Nutzer die mathematische Funktionsweise der Suchmaschinen verborgen bleiben, kann dieser nicht nachvollziehen, nach welchen Kriterien Seiten in die Ergebnismenge aufgenommen werden und wie die Rangfolge berechnet wird. Daher deckt sich die automatisch generierte Eregbnisreihenfolge nicht zwangsweise mit der tatsächlichen Relevanz der Treffer. Eine gute Platzierung in einer Suchmaschine bedeutet größere Aufmerksamkeit, weshalb einige Websitebetreiber versuchen, mittels Manipulationen ein besseres Ranking zu erzielen. Darüber hinaus finanzieren sich Suchmaschinen hauptsächlich aus Werbeeinnahmen, weshalb sie Sponsorenlinks an prominenter Stelle in der Ergebnisübersicht verkaufen. Trotz der speziellen Kennzeichnung dieser kommerziellen Links bleibt die Gefahr der Verwechslung mit den eigentlichen Suchergebnissen. Schließlich machen es die großen Ergebnismengen unmöglich, alle gefundenen Seiten einzeln zu prüfen. Die Problematik der Benutzung von Suchmaschinen wird in dem Kapitel „Die Informationsmacht von Google ausführlich diskutiert.

Trotz aller Kritik sind Suchmaschinen nicht nutzlos. Sie eignen sich - mit Einschränkung - als Startpunkt einer Recherche oder als ergänzende Ressource, wenn man mit anderen Hilfsmitteln an einem toten Punkt angelangt ist. Bei der Benutzung sollte man allerdings die Grenzen der Suchmaschinen immer im Kopf haben. Keinesfalls sollten sie als alleiniges Recherchehilfsmittel verwendet werden. Für den wissenschaftlichen Gebrauch geeignete Seiten tauchen unter Umständen erst spät in den Suchergebnissen auf und können in der Masse der Treffer leicht übersehen werden.[17]

Auch bei der Benutzung von Suchmaschinenverzeichnissen wie „Sucharchiv.com“ und „Klug Suchen!“ sollte man große Vorsicht walten lassen. Es ist dem Nutzer nicht ersichtlich, um welche Art von Suchdienst es sich bei einem Eintrag handelt, also ob es sich beispielsweise um eine Suchmaschine, ein Webverzeichnis oder eine Fachdatenbank handelt. Lediglich der Begleittext zu den Links gibt in einigen Fällen Auskunft. Darüber hinaus werden die Einträge offensichtlich nur unzureichend auf ihre Qualität hin geprüft. Unkritische und populärwissenschaftliche Quellen stehen gleichberechtigt neben akademischen Angeboten.



[16] Vgl. Malte Herwig, Eliten in einer egalitären Welt, Berlin 2005, S. 161.

[17] Vgl. Andrew F. McMichael, History and the Web. Using and Evaluating the Internet, Wheeling 2005, S. 19.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier