Lehrprofessur für Methoden der empirischen Sozialforschung
Sebastian Baier, M. A.

Sebastian Baier, M. A.

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Abstract

Strategische Reaktionen von Museen auf externe Erwartungshaltungen

Museen sind derzeit insofern im Umbruch begriffen, als dass von diesen Institutionen des kulturellen Gedächtnisses ein erweitertes Leistungsspektrum erwartet wird und dabei ein unklarer Qualitätsbegriff zur Anwendung kommt.
Da zudem der Druck zu mehr Transparenz in der Kulturförderung (Schlagworte: „konzeptbasierte Kulturpolitik“ oder „kriteriengeleitete Kulturförderung“) zunimmt, eröffnen sich Möglichkeiten kultur- und geschichtspolitischen Handelns. Hierbei entsteht Raum für Akteure und Verfahrensweisen, die Qualität definieren, messen und bescheinigen. Der Blick in die Praxis zeigt, dass mit Evaluationen, Weiterbildungsangeboten, Zertifizierungen, Zielvereinbarungen o.ä. in den vergangenen Jahren verschiedene Wege erprobt wurden.
In Niedersachsen und Bremen existiert mit der Museumsregistrierung (in Zukunft: Museumsgütesiegel) ein Zertifizierungssystem für die Definition und Bewertung der Qualität musealer Arbeit. Bis dato gibt es in Deutschland kein vergleichbares Vorgehen, das einen ähnlichen Institutionalisierungsgrad (bereits über 100 Teilnehmer) vorweisen kann. Neben der Messung des status quo ist es dabei erklärtes Ziel der drei verantwortlichen Partner (Museumsverband, Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Sparkassenstiftung), durch die zu erfüllenden Anforderungen, Beratungen und Weiterbildungsseminare auch Impulse zur Verbesserung der Qualität an die Museen zu geben.
Die Museumsregistrierung erscheint in diesem Kontext interessant als:

  • ein Verfahren zur Messung von Qualität musealen Arbeitens
  • ein Verfahren zur Verbesserung der Qualität musealen Arbeitens
  • ein Träger und Multiplikator bestimmter Erwartungshaltungen an Museen
  • ein kultur- und geschichtspolitisches Steuerungsinstrument
  • ein Managementinstrument (sowohl hinsichtlich externer als auch interner Aspekte).

Im Rahmen dieses Dissertationsprojektes sollen insbesondere der strategische Umgang der Museen mit einem solchen System und die daraus resultierenden Konsequenzen im Fokus stehen. Die Museen in Niedersachsen und Bremen gelten dabei als:

  • Empfänger verschiedener Erwartungshaltungen von unterschiedlichen Anspruchsgruppen
  • Akteure mit individuellen Vorstellungen zur Qualität musealen Arbeitens
  • Teilnehmer an der Registrierung mit eigenen Motiven, Zielen und Umsetzungsstrategien
  • Nicht-Teilnehmer an der Registrierung aus unterschiedlichen Gründen
  • Institutionen des kulturellen Gedächtnisses.

Das entstehende Dissertationsprojekt verortet sich wissenschaftlich in der noch jungen Tradition einer Kulturbetriebslehre, die entgegen der unmittelbaren Anwendungsorientierung (Best Practices) der Kulturmanagementlehre, zunächst Prozesse und Strukturen beobachten, beschreiben und verstehen möchte, um dann mittelbar Gestaltungshinweise für die Praxis ableiten zu können.
Ausgehend vom vielschichtigen Charakter kultureller Güter kann die Bearbeitung dieses komplexen und dynamischen Feldes nur interdisziplinär und auf mehreren Analyseebenen erfolgen, d.h. an den Schnittstellen von Kultur-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften sowie auf Makro-, Meso- und Mikroebene.