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Die Forschungstätigkeit des Arbeitsbereichs Realschule der Universität Passau richtet sich auf Forschungen zur Entwicklung der Qualität der Lehre an Realschulen und die darauf bezogene universitäre und seminaristische Ausbildung von Realschullehrkräften. Kooperationen im Bereich der Schulleiterfortbildung, der Evaluatorenausbildung, der Seminarleiter- und Seminarlehrerfortbildung und der schulinternen Lehrerfortbildung führten zu zahlreichen Gesprächen mit Praktikern, die in Verbindung mit dem wissenschaftlichen Forschungsstand zur Unterrichtsqualität in ein für die nächsten Jahre entwickeltes Forschungsrahmenprogramm der empirischen schulbezogenen Forschung mündeten.
Kernanliegen der im Kontext des Rahmenprojektes „Unterrichtsqualitätsentwicklung an Realschulen“ durchgeführten Teilprojekte ist die Entwicklung und Optimierung lernförderlicher pädagogisch-didaktischer Maßnahmen der individuellen Lernunterstützung. Daher umfasst das Rahmenprogramm drei Forschungsstränge, nämlich (1) Studien, die im Kontroll- und Treatmentgruppen-Vergleich didaktische Konzepte oder Unterrichtsmethoden für den Realschulunterricht erproben, (2) Studien, die auf das Verstehen und Unterstützen individueller Lernprozesse im Realschulunterricht zielen und (3) Studien im Rahmen der Lehrerausbildung zur Förderung spezifischer Lehrerkompetenzen.
In den Bereich (1) gehören derzeit die von Barbara Hank durchgeführte, mit Mitteln des Fonds der Deutschen Chemieindustrie geförderte Studie "Chemie im Kontext" sowie eine Studie zu individualisierenden Aufgaben im Geschichtsunterricht. Im Bereich (2) ist eine Studie zu Interessenverläufen im Sozialkundeunterricht von Hanna Ferdinand angesiedelt sowie eine in Vorbereitung befindliche Studie zu den Ursachen schulischen Erfolgs/Misserfolgs bei Jungen. In den Bereich (3) gehören das Projekt PfEiL „Prädiktoren für Erfolg im Lehrerberuf“, eine Studie von Sabrina Kufner zur Entwicklung der Kompetenz zu individualisierendem Unterrichten bei Lehramtsstudierenden und eine in der universitären Lehre durchgeführte Studie zur Lernwirkung von Multimedia-Lernumgebungen bei Studierenden des Lehramts im Fach Wirtschaft von Verena Köstler.
Längsschnittstudie zu Personmerkmalen, motivationalen Orientierungen, berufsbezogenem Belastungserleben und beruflicher Performanz in Lehrerausbildung und Lehrerberuf
Im Rahmen der Studie zur Evaluation des "Bachelor-Studiengangs zum Erwerb der Bildungsvoraussetzungen für das Lehramt an Realschulen“ und Master of Education an der Universität Passau wurde eine Längsschnittstudie zu Berufsverläufen von Lehrerinnen und Lehrern begonnen. Seit dem Sommersemester 2007 werden Studierende des Bachelor und des klassischen Realschulstudiengangs regelmäßig zu ihrem Belastungserleben, ihrer Selbstwirksamkeit, ihren berufsbezogenen Interessen und anderen Personmerkmalen befragt. Die Studie zielt auf die Identifikation von Merkmalen zur Prognose individueller Lernbiographien und Erfolg im Lehrerberuf.
Es ist geplant, nach und nach eine Reihe von Teilprojekten anzugliedern, die sich mit der Herausbildung von Detailkompetenzen von Lehrpersonen in Abhängigkeit von pädagogischen Orientierungen und Personmerkmalen befassen. Eine dieser Detailstudien wurde bereits begonnen (Prognose und Diagnose von Handlungskompetenzen …; S. Kufner).
(Laufzeit: 10/2007 - 2020)
Projektleitung: Prof. Dr. Jutta Mägdefrau
Wir möchten alle Studierenden des Lehramtes an Realschulen und des Bachelors of Education, die seit dem WS 06/07 ihr Studium begonnen haben und noch nicht in die Längschnittstudie aufgenommen wurden, einladen daran teilzunehmen. Mehr dazu finden Sie
hier.
Prognose und Diagnose von Handlungskompetenzen im Bereich individualisierenden Lehrens und Lernens bei Studierenden des Lehramtes für Realschulen - Eine Videostudie
Im theoretischen Kontext aktueller Bemühungen der erziehungswissenschaftlichen Forschung zur Identifikation und Erhebung professionellen Wissens und Könnens in der Lehrerausbildung, befasst sich das Projekt mit einer spezifischen pädagogischen Teilkompetenz, nämlich der Fähigkeit zum adaptiven Unterricht, der auf die unterschiedlichen Lernausgangslagen von Kindern eingeht.
Kern der Studie ist die Entwicklung eines Kompetenzmodells im Bereich des individualisierenden Lehrens und Lernens. Forschungsleitende Problemstellung ist die Frage nach der Möglichkeit einer Prognose und Diagnose dieser pädagogischen Teilkompetenz in Abhängigkeit von bestimmte Personmerkmalen und pädagogischen Orientierungen.
Stand des Projekts: Einreichung
Laufzeit: 2007-2011
Projektdurchführung: Sabrina Kufner (Dissertationsprojekt)
Kontakt: Sabrina Kufner, Arbeitsbereich Realschulpädagogik
Veröffentlichungen und Vorträge im Rahmen des Projekts:
Kufner, S. (2011, 22. Juni). Messung adaptiver Lehrkompetenz durch Videoanalyse. Entwicklung und Anwendung eines Beobachtungsinstrumentes. Universität Passau: Fächerübergreifendes Doktorandenkolloquium.
Kufner, S. (2011, 6. September). Messung adaptiver Lehrkompetenz durch Videoanalyse. Universität Klagenfurt: Vortrag auf der 73. AEPF-Tagung.
Kufner, S. (2011, 24. Oktober). Prognose und Diagnose von Handlungskompetenz im Bereich individualisierendes Lehren und Lernen. Dillingen, Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung: Fortbildungstagung für Seminarlehrkräfte in Mathematik.
Einreichung der Dissertation im Sommer 2012 geplant: Kufner, Sabrina.: "Diagnose und Prognose von Handlungskompetenz im Bereich adaptives Lehren und Lernen" bei Prof Dr. Jutta Mägdefrau.
„Chemie im Kontext“ ist eine didaktische Konzeption, bei der aktuelle und alltagsnahe Anlässe zum Ausgangspunkt einer Unterrichtseinheit gemacht werden. Chemische Fachinhalte werden aus diesen Kontexten über die gezielte Einbindung von Schülervorstellungen, Schülerinteressen und vorhandenem Vorwissen entwickelt und auf Basiskonzepte zurückgeführt.
Im Rahmen der Studie wird überprüft, ob Unterricht nach dem Konzept „Chemie im Kontext“ (ChiK) den Aufbau wissenschaftlicher Konzepte im Rahmen des Chemieunterrichts an der Realschule erleichtert und ob und ggf. welche Adaptionen der ursprünglich für die gymnasiale Oberstufe entwickelten Konzeption nötig sind. In einer Treatmentstudie werden zunächst bezogen auf ein Unterrichtsthema chemische Präkonzepte bei allen in die Untersuchung aufgenommen 8. und 9. Realschulklassen erhoben. Nach dem Treatment wird in einem Fachtest der Konzeptwandel in ChiK-Klassen und traditionell unterrichteten Klassen in beiden Gruppen nachvollzogen. Flankierend zur schriftlichen Befragung (Wissenstest) eingesetzte Schülerinterviews sollen die Konzeptwandelvorgänge zusätzlich erhellen.
Stand des Projekts: Dateneingabe und -aufbereitung abgeschlossen
Laufzeit von 2007-2011
Projektdurchführung: Barbara Hank (Dissertationsprojekt)
Drittmittelförderung durch den Fonds der Deutschen Chemieindustrie
Kontakt: Barbara Hank, Arbeitsbereich Realschulpädagogik
Aktuelles zur Studie
Zur Vorbereitung einer Treatmentstudie zu adaptiven Lernaufgaben zur Förderung spezifischer Kompetenzen im Bereich des historischen Lernens wurde eine explorative Studie mit Befragungen von Geschichtslehrkräften an bayerischen Realschulen durchgeführt. Ein Ziel der Studie war, Informationen über die Adaptionsqualität von Lehrwerksaufgaben aus Sicht von Lehrkräften zu erhalten. Die an der Befragung teilnehmenden Lehrkräfte (N = 600) gaben Auskunft zu ihrer Einschätzung der Aufgabenqualität in den Schulbüchern des Faches Geschichte, zur Rolle, die Schulbuchaufgaben sowie selbst konstruierte Lernaufgaben in ihrem Unterricht spielen, zu didaktischen Intentionen, die sich mit dem Aufgabeneinsatz verbinden. Parallel dazu wurden pädagogisch-didaktische Überzeugungen der Lehrpersonen hinsichtlich der Differenzierung im Geschichtsunterricht erhoben. Es sollte geprüft werden, ob der Einsatz differenzierender Lernaufgaben mit zentralen didaktischen beliefs und perzipierter Lehrwerksqualität zusammenhängt und ob sich Lehrpersonen mit tendenzieller Differenzierungsneigung durch die Lehrwerke in ihren Differenzierungsbemühungen unterstützt sehen. Zusätzlich wurden Berufserfahrung und Geschlecht als unabhängige Variablen einbezogen.
Die Daten der Untersuchung werden derzeit ausgewertet, eine Publikation ist in Vorbereitung.
Projektleitung und –durchführung: Prof. Dr. Jutta Mägdefrau und Prof. Dr. Andreas Michler
E-Learning bietet vielfältige Möglichkeiten zur Umsetzung von Lehr-Lern-Arrangements, die zu selbstgesteuertem, vernetzten und individuellem Lernen anregen können. Um diesen hohen Erwartungen gerecht zu werden, stellt sich die Frage, wie E-Learning-Umgebungen gestaltet werden können, um interindividuelle Unterschiede der Lerner zu berücksichtigen, sowie für die von ihnen verwendeten Nutzungsstrategien ggf. auch externe Unterstützungsmaßnahmen anzubieten. Hierzu soll in einer Studie anhand eines nach kognitionspsychologischen Überlegungen gestalteten multimedialen Lernprogramms für den Anfangsunterricht im „Betriebswirtschaftlichen Rechnungswesen“ überprüft werden, inwieweit dessen Einsatz zu einer positiven Auswirkung auf den Lernerfolg der Versuchspersonen führt. Ein Schwerpunkt liegt insbesondere auf der Auswertung schriftlich erhobener individueller Selbsterklärungsaktivitäten der Lerner während der Bearbeitung der E-Learning-Umgebung.
Stand des Projektes: Datenauswertung
Projektdurchführung: Verena Köstler
Laufzeit: 2008-2011
Kontakt: Verena Köstler, Lehreinheit für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
In den Lehrplänen der meisten Bundesländer wird als ein Erziehungs- und Bildungsziel die Entwicklung von schulischen und außerschulischen Interessen der Kinder vorgegeben. Zu den Determinanten der Entstehung von Interesse ist allerdings wenig bekannt. In dieser Studie wurden Erlebensqualitäten im Schulunterricht auf ihren Zusammenhang mit der - positiven oder negativen - Entwicklung von Interesse am Sozialkundeunterricht in den zehnten Klassen bayerischer Realschulen untersucht. Weiterhin wurden die Unterrichtsqualitätsdimensionen Klassenführung und Individualisierung als potentielle Prädiktoren der Interessenentwicklung untersucht. Dazu wurden 69 Klassen mit ihren Lehrern im Laufe eines Halbjahres mehrmals befragt.
Das Projekt wird von der Passauer Universitätsstiftung gefördert.
Stand des Projektes: Publikation
Laufzeit: 2009-2011
Projektleitung: Prof. Jutta Mägdefrau
Projektdurchführung: Hanna Ferdinand
Kontakt:
Hanna Ferdinand, Arbeitsbereich Realschulpädagogik
Veröffentlichungen und Vorträge im Rahmen des Projekts:
Ferdinand, H. (2010, 14. September). Interesse im Unterricht ‐ Ausdruck aktuellen Erlebens oder überdauernder Präferenzen? Jena: Vortrag auf der AEPF‐Tagung.
Ferdinand, H. (2010). Interessenförderung. In J. Mägdefrau (Hrsg.), Schulisches Lehren und Lernen. Pädagogische Theorie an Praxisbeispielen (S. 68–84). Klinkhardt.
Ferdinand, H. (2011, 14. Juli). Wie entwickelt sich Interesse in der Schule? Ergebnisse der EIS‐Studie. Passau: Vortrag im Rahmen der Reihe „Wissenschaft verständlich machen. Graduierte stellen sich vor.“
Mägdefrau, J. (2009, 4. Mai). Förderung von Interesse und Motivation im Unterricht der Realschule. Vortrag bei der Dienstbesprechung der Seminarlehrer/innen Psychologie, Niederailtach.
Dissertation eingereicht im Januar 2012: Hanna Ferdinand: „Interessenentwicklung im Sozialkundeunterricht. Verlauf und Determinanten“ bei Frau Prof. Mägdefrau
In den letzten Jahren ist das Thema „Jungen in der Schule“ zunehmend in den Fokus der Wissenschaft und der Medien geraten. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem die Ergebnisse von Schulleistungstests, welche Jungen als „Bildungsverlierer“ ausgemacht haben. Dabei werden sowohl in wissenschaftlichen als auch populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen die Jungen als rein homogene Gruppe behandelt und auf potentielle Ursachen der Leistungsdefizite wird nicht differenzierter eingegangen. Ethnografisch orientierte Studien legen den Schluss nahe, dass bestimmte Gruppen von Jungen in ihrem Entwurf von Männlichkeit „keinen Platz“ für Schulleistung haben. Lassen sich in der Schule eventuell verschiedene Typen von Jungen finden? Und weisen diese unterschiedliche Zusammenhänge zur Schulleistung auf? Zum Zwecke dieser und weiterer Fragestellungen soll in dieser Studie ein Fragebogen für Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 konstruiert werden.
Stand des Projekts: abgeschlossen
Laufzeit von 2008-2012
Projektdurchführung: Bernhard Mitterer (Dissertationsprojekt)
Kontakt: Bernhard Mitterer, Arbeitsbereich Realschulpädagogik
Veröffentlichungen im Rahmen des Projekts:
Mitterer, B. (2010). Werden Jungen in frühen Bildungseinrichtungen benachteiligt und werden Mädchen bevorzugt? Mythen, Fakten und Abhilfemaßnahmen. Vortrag im Rahmen der Tagung "7. Niederbayerischer Kindergarten- und Grundschultag" an der Fachakademie Seligenthal, Landshut (17.04.2010).
Mitterer, B. (2010). „Feminization of schooling”: A German and an international perspective. In L.Smokova (Hrsg.), Cultural Integration and Immigration in Modern Society: Inter-disciplinary Perspective. Odessa: Astroprint
Mitterer, B. (2011). Jungen und Mädchen in der Realschule. Vortrag auf der Fortbildungstagung für Zentrale Fachleiter an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen a.d. Donau (26.07.2011).
Mitterer, B. (2011). Welche Rolle spielt das Geschlecht in der Schule? Vortrag auf der Fortbildungstagung für Seminarlehrkräfte in Psychologie an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, Dillingen a.d. Donau (21.10.2011).
Dissertation eingereicht im Februar 2012: Mitterer, B. "Geschlechtstypische Verhaltenstendenzen und Schulleistung in der Sekundarstufe I" bei Frau Prof. Jutta Mägdefrau und Herrn Prof. Guido Pollak.
Mitterer, B. (2012). Jungen und Mädchen in der Schule. Fortbildungslehrgang für die staatliche Schulberatungsstelle Niederbayern an der Ludmilla-Realschule in Bogen (27.03.2012).