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Forschungsprojekt
Rekonstruktion der Bücherbestände der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg in Hamburg (bis 1933)
(Aby Warburg: Gesammelte Schriften. Edition von Band VI: Bücherkatalog der K.B.W.)
Gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung an der Professur für Kunstgeschichte/Bildwissenschaften,
Leiter: Univ.-Prof. Dr. Michael Thimann
Wiss. Mitarbeiter: Dr. Thomas Gilbhard
Zum 1. Oktober 2011 konnte ein zentrales Forschungsprojekt an der Professur für Kunstgeschichte/Bildwissenschaften installiert werden. Für zunächst zwei Jahre fördert die Fritz Thyssen Stiftung durch die Bewilligung einer wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle und umfangreiche Sachmittel die Rekonstruktion einer der wohl bedeutendsten Bibliotheken der modernen Wissenschaftsgeschichte, der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg, die bis 1933 in Hamburg ansässig war und nach London emigrierte. Als The Warburg Institute gehört sie heute zu den führenden Forschungseinrichtungen weltweit.
Aby Warburg (1866-1929) gehört gegenwärtig zu den am meisten diskutierten Kulturwissenschaftlern, er gilt als bedeutendster Stichwortgeber der kulturwissenschaftlich orientierten Bildforschung, der Ikonologie, der Mentalitätengeschichte, der Bildanthropologie und als Gründungsvater der Historischen Bildwissenschaften. Sein Name kann ohne Zögern in einem Atemzug mit den Gründungsvätern der modernen Kulturwissenschaften wie Sigmund Freud und Max Weber genannt werden.
In der kunsthistorischen, kulturwissenschaftlichen und bibliothekshistorischen Forschung ist die Bedeutung der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg (kurz: K.B.W.) heute unbestritten. Sie gilt als Prototyp einer modernen Forschungsbibliothek und dokumentiert beispielhaft die um 1900 einsetzende Ablösung von der Privatbibliothek des Gelehrten hin zum Arbeitsinstrument für die Forschung. Aby Warburg hat als wesentlichen Bestandteil seines wissenschaftlichen Werkes seine Privatbibliothek zu einem kulturwissenschaftlichen, inter- und transdisziplinär angelegten Forschungsinstitut ausgebaut. Die K.B.W. war eine „Problembibliothek“, deren Inhalt vornehmlich auf Warburgs Hauptforschungsprojekt, der wissenschaftlichen Erkundung des „Nachlebens der Antike“ und der Wanderungen antiker Gebärdensprache in die Bildkulturen der Renaissance, abgestimmt war. Sie war zugleich der institutionelle Ort, an dem sich die interdisziplinäre „Arbeitsgemeinschaft“ der Forscher (unter ihnen Ernst Cassirer, Erwin Panofsky, Edgar Wind u. v. a.) versammelte, um gemeinsame Probleme inmitten der Bücher zu diskutieren. Dieser interdisziplinäre Charakter der K.B.W. als Institution für Forscher unterschiedlicher Fächer machte eine Büchersammlung erforderlich, die weit über die Belange der Individualforschung herausragen musste. Warburg dienten die Bücher daher, wie er 1918 schrieb, als „Arbeitsinstrumente in einem wissenschaftlichen Laboratorium“.
Schon im Gesamtplan von Aby Warburgs Gesammelten Schriften von 1932 war die Dokumentation der Bibliothek durch einen gedruckten Katalog vorgesehen. Die Wirren von Vertreibung und Emigration haben diesen Plan zunichte gemacht. Eine Rekonstruktion der K.B.W., wie sie jetzt im Rahmen der Studienausgabe durch die Veröffentlichung des Kataloges vorgenommen werden soll, leistet daher einen zentralen Beitrag für unser Verständnis der Wissenschaftsgeschichte der Geisteswissenschaften im 20. Jahrhundert. Wenn in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit für die Infrastrukturen der Forschung besonders gestiegen ist, so ist die K.B.W. ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie eine Forschungsinstitution durch innovative Bereitstellung von Infrastrukturen und Materialien selbst zur Generierung von Wissen beitragen kann.
Das nun in Passau angesiedelte Forschungsprojekt leistet nichts weniger als die Rekonstruktion eines der berühmtesten und schillerndsten Monumente der Kulturwissenschaften im 20. Jahrhundert, dessen intellektuelle Strahlkraft bis auf den heutigen Tag anhält. (
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