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Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl an Forschungsprojekten, die wir vom Fach Geographie in Passau bearbeiten, planen oder bereits abgeschlossen haben.


Isotopenproxies aus tropischen Hölzern für Klimarekonstruktionen und Datierungen - Untersuchungen an Standorten in Westafrika und Amazonien (DFG-Projekt AN 214/8-1)
Prof. Dr. Dieter Anhuf, Prof. Dr. Gerhard Schleser, Dipl. Geogr. Kathrin Weidner
2007 -
Die Ursachen der gegenwärtigen Klimaveränderung und die zukünftige klimatische Entwicklung sind nur durch Untersuchungen über Umweltveränderungen der Vergangenheit verifizierbar. Jahrringe von Bäumen als jahrgenaues, terrestrisches Klimaarchiv sind dafür bestens geeignet. Allerdings wird hierzu die Eignung von Bäumen der immerfeuchten Tropen bisher kaum diskutiert. Andererseits gilt, dass die Tropen für das Klimasystem der Erde wichtiger sind als bisher angenommen. Ziel ist daher die Rekonstruktion der Klimaentwicklug aus Zuwachszonen tropischer Hölzer von Regenwäldern in Südamerika und Schwarz-Afrika mittels stabiler Isotope (13C/12C, 18O/16O). Dazu soll die Bestimmung des intra-annuellen Isotopenmusters herangezogen werden, da von sichtbaren, annuellen Zuwachsringen nicht immer auszugehen ist. Mit diesem Verfahren sollen möglichst 500-jährige interannuelle tropische Isotopenchronologien erstellt und Klimarekonstruktionen für die jeweiligen Standortregionen durchgeführt werden. Dabei wird auf den Niederschlag und mögliche atmosphärische Zirkulationsmuster fokussiert. Begleitend dazu soll die Entwicklung eines neuen automatischen Dünnschnittverfahrens zur Optimierung der Isotopenanalytik stehen. Ziel ist, einen wesentlichen inhaltlichen und methodischen Beitrag zur Paläoklimatologie Westafrikas und Amazoniens zu liefern.



Innenansichten von Stadtwelten in Nordost-Brasilien - Das Zusammenspiel von Kultur, Handlung und Ökonomie als Strukturierungsprinzip urbaner Räume.
Forschungsgruppe: Prof. Dr. Ernst Struck, Dr. Eberhard Rothfuß, Dipl.- Geogr. Veronika Deffner
Das sozial- und kulturwissenschaftlich ausgerichtete Forschungsprojekt setzt sich mit städtischen Lebenswelten in Brasilien auseinander. Der regionale Schwerpunkt liegt im Nordosten des Landes mit seinen Küstenmetropolen Salvador de Bahia, Recife und Fortaleza. Diese Region ist in der geographischen Stadtforschung bisher weitgehend unberücksichtigt geblieben.Die ausgewählten Städte werden über eine Perspektive von "Innen" - der Sichtweise ihrer städtischen Akteure selbst - analysiert und verstanden und nicht über eine eurozentrierte Außenperspektive z. B. mittels Stadtstrukturmodellen erklärt, welche auf "unserer" Deutung von geographischen Raum- und Abgrenzungskategorien basieren.
Die Innensicht begreift Städte und ihre Strukturen als Produkt und Konstrukt menschlicher Eigenwahrnehmungen, Handlungen und kontextgebundener Entscheidungen; damit besitzen Städte gleichsam einen eigenen Habitus, eine ureigene Biographie und ein Innenleben, welches durch verschiedene Lebensstile, Kulturpraktiken, Identitäten, Segregationen, soziale und ökonomische Netzwerke u.v.m. zum Ausdruck kommt.
Dieses Projekt deutet eine Perspektivenerweiterung innerhalb der geographischen Stadtforschung in Lateinamerika an. Die bisher weitgehend strukturbeschreibenden und quantitativen Analysen werden um eine handlungs- und kulturtheoretische Betrachtungsweise ergänzt, die die einheimischen Deutungsmuster von Strukturen von und in der Stadt im wissenschaftstheoretischen Kontext interkultureller Hermeneutik mithilfe eines qualitativen Forschungsansatzes entdecken will. Dieses Erkenntnisziel eines "inneren" Verständnisses von Städten kann einen differenzierten Beitrag leisten, die zunehmend gesellschaftliche wie ökonomische Komplexität und historischen Bedingtheit urbaner Räume in Brasilien begreifen zu lernen.
Eigenwahrnehmung und touristische Fremdwahrnehmung von Stadträumen in Recife und Olinda
Prof. Dr. Ernst Struck
Alltägliche Lebensführung, Lebensstil und Stadthabitus - Sozialtheoretische Implikationen urbaner Lebenswelt in Salvador da Bahia, Brasilien
Dr. Eberhard Rothfuß
Immaterielle Grenzziehungen und die Naturalisierung sozialer Ungleichheiten im stadträumlichen Gefüge von Salvador da Bahia (Nordostbrasilien).Eine sozialgeographische Studie über das Verhältnis von Gesellschaft, Macht und Raum aus handlungstheoretischer Perspektive
Dipl.- Geogr. Veronika Deffner


Der Beitrag von Ökotonen zur funktionalen, strukturellen und floristischen Vielfalt semiarider Hochgebirge - eine Fallstudie im Great Basin, USA - (DFG - Projekt GR 2718/3-1)
Dr. Friederike Grüninger
2007 -
Pflanzliche Lebensgemeinschaften stellen einen fundamentalen Bestandteil innerhalb der Ökosysteme dar und werden durch ein komplexes Faktorenbündel an abiotischen und biotischen Umweltvorgaben sowie durch spezifische Störungsregime und Umweltstress geschaffen und verändert. Sie bilden ein raumzeitliches Mosaik an miteinander vernetzten Einheiten und bedingen in ihrer Gesamtheit die - gegenüber dem Umland - erhöhte Diversität heterogen ausgestatteter Gebirgsräume.
Die Ökotonbereiche zwischen solchen Vegetationsgemeinschaften sind je nach Steuergröße graduell oder abrupt und zeichnen sich durch ganz eigene maßstabsabhängige Charakteristika hinsichtlich ihrer ökosystemaren Stellung aus. Häufig wohnt ihnen aufgrund dessen eine ausgesprochene Nischenvielfalt und hohe Dynamik inne; Sie gelten als artenreiche "semipermeable Membranen" zwischen den Phytozönosen und als Puffer gegenüber sich wandelnder Umweltbedingungen.
Das Forschungsprojekt möchte anhand von mikro- bis mesoskaligen Gradientstudien ermitteln, welchen Beitrag Ökotone als nicht diskrete Einheiten zur funktionellen, floristischen und strukturellen Vielfalt semiarider Hochgebirgsregionen im Südwesten der USA leisten, wie gut statistisch erfassbar ihr Wirkungsgrad und ihre Wirkungstiefe sind und inwiefern die herausgearbeiteten Ergebnisse auch auf andere Gebirgsräume übertragen werden können.


Langzeitmonitoring zur Primärsukzession auf jüngst eisfrei gewordenen Gletschervorfeldern in den Ostalpen
Dr. Thomas Fickert, Dr. Friederike Grüninger
2005 -
Studien zur Vegetationsentwicklung auf Gletschervorfeldern in den Alpen haben eine lange Forschungstradition und reichen bis zu Josias Braun-Blanquet und Werner Lüdi zurück, handelt es sich bei diesen Bereichen doch um quasi juvenile Standorte, auf denen die Dynamik der Primärsukzession besonders gut untersucht werden kann.
Die Methode der "space for time substitution" (im Sinne Pickett's) wird bei bekannten Gletscherständen häufig verwendet, da in der Regel mit wachsender Entfernung zum Gletscherterminus der Zeitpunkt des Freischmelzens länger zurückliegt und so Flächen in unterschiedlichen Sukzessionsstadien angetroffen und untersucht werden können. Eignet sich diese Methode dabei gut, um in kurzer Zeit die sich wandelnde Artenzusammensetzung und den Formationswechsel zu untersuchen, kann die Dynamik innerhalb ein und derselben Fläche über einen längeren Zeitraum (also etwa Migrationsmuster oder Frequenz- und Dominanzverschiebungen einzelner Arten) jedoch nicht erfasst werden, da ja immer verschiedene Flächen untersucht werden.
Solche Muster können hingegen mit Hilfe eines Langzeitmonitorings erfasst werden, und gerade der außergewöhnlich warme Sommer 2003, der alpenweit zu einem massiven Rückgang der Gletscher führte, kann als idealer Startzeitpunkt für eine solche Untersuchung angesehen werden. Im Sommer 2005 wurden hierfür am Goldbergkees (Sonnblick, Hohe Tauern) und am Lenksteinferner (Hochgall, Rieserfernergruppe) in den unmittelbaren Gletschervorfeldern über die gesamte Breite der Gletscherzungen Dauerbeobachtungsflächen eingemessen, die im ca. 2-jährlichen Turnus aufgesucht werden sollen.

Inszenierung sinnvoller Kooperationen in der Stadtentwicklung. Verständigung über Handlungsmöglichkeiten und Beteiligung im Prozessraum. (gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung)
Dipl. Kulturwirt Stefan Werner
2007 -
Öffentliche Akteure sind bei der Lösung von Stadtentwicklungsaufgaben zunehmend auf multilaterale Kooperationen angewiesen, da ihre Steuerungskapazitäten stark abgenommen haben und sich vermutlich weiter vermindern werden. Allerdings zeichnet die wachsende Heterogenität der Lebensweltentwürfe in unserer Gesellschaft das Bild einer sehr komplexen Akteurslandschaft, die in ihrer Vielfalt in den Kooperationen oft schwer zu integrieren ist. Das Promotionsprojekt setzt genau an dieser Stelle an und soll eine Hilfestellung für die Praxis bieten. Ausgehend von der "Interaktiven Sozialgeographie", der "Geographie Alltäglicher Regionalisierungen" und der "Geographischen Implementationsforschung" werden in diesem Dissertationsprojekt Kooperations- und Handlungsstrukturen in Stadtentwicklungsprogrammen bzw. -projekten untersucht.


Integration oder Ausgrenzung? Gated Communities und ihre Interaktionen mit dem Umland am Beispiel des Rio Grande Valley, Texas, USA
Andreas Schöps M.A.
2003 -
Der Terminus "Gated Communities" bezeichnet durch Baumaßnahmen von der Umgebung entkoppelte und damit für die Öffentlichkeit geschlossene, privat betriebene Wohnsiedlungen. Mit der einsetzenden wissenschaftlichen Thematisierung zu Beginn der 1990er zeichnet sich ein zunächst auf die USA beschränkter, mittlerweile jedoch nahezu weltweiter Boom dieser Siedlungsform ab. Speziell in den USA leben heute schätzungsweise mehr als 8 Mio. Menschen in umzäunten Wohnanlagen mit eigener Verwaltung (Home Owner Association), wobei Sunbelt Staaten wie Kalifornien, Nevada und eben auch Texas die landesweit höchste Dichte wie auch die höchsten Zuwachsraten von Gated Communities aufweisen. Obwohl sich nahezu jedes zweite neugebaute Haus in den USA innerhalb einer Gated Community befindet, sind wissenschaftliche und insbesondere geographische Untersuchungen auf nur wenige Räume v.a. in Kalifornien, Nevada und Florida beschränkt. Gerade aber zu Texas, das aufgrund seiner ökonomischen Prosperität wie auch aufgrund seiner hohen Lebensqualität große und rasche Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hat, stehen Untersuchungen der dort entstandenen Gated Communities noch gänzlich aus.
Die laufende Promotion verfolgt im wesentlichen zwei übergeordnete Ziele: zunächst soll auf einer ideographischen Ebene das Defizit der Erfassung der vorhandenen Gated Communities für den texanisch-mexikanischen Grenzraum im Bereich zwischen Laredo und South Parde Island beseitigt werden. Darauf aufbauend wird der bis dato wissenschaftlich noch weitgehend vernachlässigten Frage nach dem Wesen und dem Grad der sozialen wie auch materiellen Integration von Gated Communities nachgegangen. Mit Mitteln der qualitativen wie auch quantitativen empirischen Sozialforschung wird untersucht, inwieweit Gated Communities tatsächlich als "Inseln" im Stadtland USA charakterisiert werden können und zu welchem Grad der städtebaulich immanente Separatismus auch psychologisch-verhaltenstheoretisch manifest ist. Besonders interessant ist diesbezüglich die Frage nach dem Zusammenhang mit dem gewählten kulturräumlichen Kontext im Grenzgebiet der USA zu Mexiko.


Das Standortpotential der Region Passau und seine Einschätzung unter ausgewählten Schlüsselpersonen
P. Hagen / K. Krines / M. Zellner / Prof. Dr. W. Gamerith
2006-07
gefördert durch: Wissenschaftsforum Passau
ausgezeichnet mit: Wissenschaftspreis 2008 der IHK Niederbayern
Inhalt: Zu den zentralen Grundlagen regional- und wirtschaftspolitischer Entscheidungen zählt das Wissen um die spezifischen Potentiale der jeweiligen Region. Nur wo sich die lokalen und regionalen Entscheidungsträger dieser Potentiale bewusst sind, können Initiativen zu ihrer weiteren Entwicklung konzipiert und vorangetrieben werden. Die wichtigsten regionalpolitischen Tätigkeitsfelder werden dabei je nach Wahrnehmung der Hauptakteure konstituiert, weshalb gerade dieser Perzeption durch die Experten eine steuernde Rolle in der Regionalentwicklung zukommt. Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Bildung und Kultur haben möglicherweise unterschiedliche Leitbilder und Schwerpunkte regionaler Entwicklungsstrategien verinnerlicht, die mit der "Realität", wie sie sich beispielsweise in statistischen Parametern niederschlägt, nicht immer in Einklang zu bringen sind.
Das Projekt setzt sich mit den Diskrepanzen (oder Parallelen) der Einschätzung von Experten einerseits und dem faktischen Status quo auseinander und versucht aus der Erkenntnis möglicher Divergenzen zwischen Wahrnehmung und Ist-Zustand Handlungsoptionen und -prioritäten abzuleiten. Wirtschaft, Kultur und Tourismus bilden die zentralen Untersuchungsfelder, und durch eine ausführliche Befragung von etwa 50 Führungspersönlichkeiten und Entscheidungsträgern werden reichhaltige Informationen zur Einschätzung des Standorts von Stadt und Region Passau herausgefiltert. In Gegenüberstellung mit offiziellen Daten und Statistiken ergeben sich konkrete Hinweise auf notwendiges wirtschaftspolitisches Handeln.
Costa Rica - USA: "National Interests" und deren Konsequenzen
Dr. Peter Scharl
2002 - 2008
Ziel dieses Dissertationsprojektes ist es, die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Costa Rica zu beleuchten.
Im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stehen dabei zwei Aspekte:
Einerseits die "National Interests", welche dem Engagement der USA in Costa Rica zugrunde liegen (ökonomische Interessen, geostrategische Interessen u.a.), andererseits die Konsequenzen, welche dieses Engagement der USA in Costa Rica für den zentralamerikanischen Staat mit sich bringt.
Dabei wird davon ausgegangen, dass durch aktuelle Entwicklungen in Zentralamerika (volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen, politische Instabilitäten etc.) fundamentale Interessen der USA in dieser Region gefährdet sind. Dies wiederum führt zu vielschichtigen Reaktionen der Vereinigten Staaten und wirkt sich dabei sowohl indirekt als auch direkt auf Costa Rica aus.


Die kubanische Perspektive - Wahrnehmungsmuster, Handlungsstrategien und Netzwerkbeziehungen im Spannungsfeld von Tourismus und Staatssozialismus auf Kuba. Eine sozialgeographische Studie
Dr. Stephanie Nau
2003 - 2007
Das Forschungsprojekt fokussiert in einer sozialgeographischen Herangehensweise das Spannungsfeld zwischen dem prosperierenden internationalen, kapitalistisch organisierten Tourismus und der staatssozialistischen Politik und Gesellschaft Kubas. Im Kontext dieser ideologischen Pole wird in bestimmten Regionen unterschiedlicher touristischer Nutzung nach den Wahrnehmungen des einzelnen Kubaners gefragt, sowie nach den Handlungsmustern der Akteure, die daraus entstehen. Individuelle Strategien, um den Lebensstandart zu erhöhen, sowie informelle Netzwerkbeziehungen stehen dabei ebenfalls im Kern der Untersuchung.


Regeneration der Mangroven auf der Insel Guanaja (Honduras) sieben Jahre nach Hurricane Mitch (DFG-Projekt FI 1254/2-1) Dr. Thomas Fickert 2005 - 2007
Hurrikan Mitch gilt als einer der stärksten Hurrikans des vergangen Jahrhunderts. Aufgrund seiner für Hurrikans außergewöhnlichen, über drei Tage quasistationären Lage zwischen der Nordküste von Honduras und der nördlich vorgelagerten Insel Guanaja wurden diese Bereiche bei Windgeschwindigkeiten von über 280 km/h besonders getroffen. Neben zahlreichen Verletzten und Toten wurden auch terrestrische (Kiefernwälder), litorale (Mangroven) und marine Ökosysteme (Korallenriffe) stark in Mitleidenschaft gezogen. Mangroven sind generell von einer recht langsamen Regeneration gekennzeichnet, insbesondere wenn sie wie in Guanaja von der viviparen Rhizophora mangle dominiert werden. Entsprechend zeigten die nahezu vollständig zerstörten Mangrovengebiete Guanaja's in den ersten Jahren nach dem Hurrikan keinerlei Zeichen der Regeneration. Beobachtungen aus dem März 2004 belegen jedoch eine langsam einsetzende natürliche Verjüngung.
In dem Projekt soll der Regenerationsgrad der Mangroven ein gutes halbes Jahrzehnt nach Mitch untersucht werden. Als Grundlage für einen vorher - nachher - Vergleich dienen Untersuchungen in den Mangroven der kaum von Mitch beeinflussten Nachbarinsel Utila.

Barrieren in der Stadt. Wahrnehmung, Erreichbarkeit und Zugangsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen in Passau
Dr. Jörg Scheffer
2005 - 2006
Die barrierefreie Stadt ist für Menschen mit Behinderungen Grundvoraussetzung einer umfassende Teilhabe am öffentlichen Leben. Bislang bietet die Stadt Passau wenig Informationen an, die umfassend über die Erreichbarkeit einzelner Viertel und Gebäude in Passau informieren.
Über die GIS-gestützte Erfassung von Barrieren (Straßen, Behörden, Ämter, Geschäfte, Gastronomie) sollen bestehende Defizite kartographisch aufgezeigt- und Hinweise zur Verbesserung einer behindertengerechten Zugänglichkeit des Stadtraumes geliefert werden.

Analyse der Biodiversität Afrikas und Entwicklung nachhaltiger Schutzkonzepte unter Berücksichtigung der Auswirkungen von Klimwandel und Landnutzung
(Prof. Dr. P. Vleck, Dr. J. Szarzynski, Prof. Dr. D. Anhuf).
2004 - 2006
Subprojekt W02 in: Analysis of the changing Organismic Diversity in West Africa by environmental change through local to global human impact.
The central objective of BIOTA-West - as integrated part of the frame project BIOTA-Africa - is to analyse anthropogenically induced changes of biodiversity in an exemplary, interdisciplinary, and integrative approach. The study sites of BIOTA-West are chosen to cover the steep climatic gradient characteristic for West Africa, comprising the climatic zones from the Sahel to the rainforest. They are located in Burkina Faso, Benin, and especially in Côte d’Ivoire. The knowledge to be obtained by all three BIOTA-Africa associations (EAST, SOUTH and WEST) shall allow to develop, on a sound scientific basis, biodiversity management strategies which are well adapted to the local and regional setting. These management concepts have to be improved in a stepwise, iterative process based on results obtained by long-term monitoring. These concepts shall provide local populations with guidelines for using biodiversity in an ecologically sustainable and socio-economically acceptable way. At the same time, the scientific results are intended to serve in the development of conservation measures which effectively integrate human-used areas in a way suited to maintain a maximum of regional biodiversity in the long run.

Kulturräume in Auflösung? Die Perspektive einer alternativen Kulturgeographie für das Interkulturelle Management am Beispiel des Dreiländerecks (D-A-CZ)
Dr. Jörg Scheffer
2001 - 2005
Die Geographie hat sich der Aufgabe einer kleinräumigen Erfassung und konkreten Regionalisierung "wirtschaftsrelevanter" Kultur, wie sie für die Interkulturelle Kommunikation und das Interkulturelle Management hilfreich wären, bislang kaum angenommen. Da die Entankerung menschlicher Lebensformen kulturelle Heterogenität abstandslos gemacht hat, wird jede Kulturregionalisierung zu unangemessenen Vereinheitlichungen führen und Gefahr laufen, zur Verbreitung von Klischees beizutragen.
Mit einem Konzept, das sich von der Darstellung einer Kultur distanziert und die Erfassung einzelner Kulturaspekte beschränkt, können die o.g. Schwierigkeiten weitgehend überwunden werden. Unter Rückgriff auf Konzepte aus der Kulturvergleichenden Psychologie lassen sich Räume vorherrschender Kulturelemente von unterschiedlicher Maßstabsebenen ausweisen und zweckspezifisch aneignen. Im tschechisch-deutsch-österreichischen Grenzraum werden nach diesem Verständnis über qualitative und quantitative Erhebungen neue "selektive Kulturregionen" identifiziert und für praktische Zielsetzungen im Kontext der EU-Osterweiterung nutzbar gemacht.

Im Schatten der Neuen Mitte Passaus. Zur strategischen Vermarktung innerstädtischer Ästhetik
Dipl. Geogr. Jörg Scheffer
2004 - 2006
Der innerstädtische Einzelhandel im niederbayerischen Oberzentrum Passau steht vor großen Herausforderungen. Mit der bevorstehenden Realisierung des Großprojektes "Neue Mitte" und der damit verbundenen Ausweitung zentralgelegener Verkaufsflächen, sehen sich eine Vielzahl traditioneller Anbieter in einem äußerst schwierigen Wettbewerb, der mittelfristig den Konkurs mehrerer Betriebe und ein Anwachsen der Leerstandsquote im Innenstadtbereich zur Folge haben könnte. Vor diesem Hintergrund machen neue Kleinbetriebe auf sich aufmerksam, welche die innerstädtische Ästhetik der historischen Innenstadt im Kontrast zu den Neuplanungen für die stilbetonte Vermarktung eines spezialisierten Waren- und Dienstleistungsangebotes zu nutzen wissen. Die Untersuchung und Befragung von Pionieren dieser hochwertigen Spezialisierung zeigt Strategien und Chancen für die Innenstadt auf, die sich m.E. auch ein übergreifendes City-Marketing zu eigen machen kann.

Natürliche Klimavariabilität und Signalanalyse - Nacheiszeitliche Geschichte des Wasserhaushaltes tropischer Naturlandschaftsräume
Prof. Dr. Dieter Anhuf
Das Projektziel ist die Ableitung kontinentaler sowie regionaler Wasserhaushaltsmodelle für die afrikanischen Tropen für die folgenden Zeitscheiben: um 8000 B.P. zum Höhepunkt der postglazialen Feuchtphase, für die Zeit zwischen 6000-4000 B.P., in der die neolitische Landnahme erfolgte, sowie für den Abschnitt von 3000-2000 B.P., der durch eine Klimaverschlechterung sowie verstärkter und massiver Einflußnahme durch den Menschen in den Naturhaushalt der Tropen gekennzeichnet ist.
Eine Grundlage der Ableitung der Wasserhaushaltsmodelle der genannten Zeitscheiben bilden aktualistische, regionale Modelle der rezenten Beziehungen zwischen Niederschlag, Abfluß, Evapotranspiration, Bodenwasser und der Vegetationsbedeckung. Eine weitere Grundlage sind Rekonstruktionen der Vegetationsverhälnisse zu den einzelnen Zeitscheiben. Unter der Prämisse, daß die aktuelle Vegetationsbedeckung - insofern sie noch als naturnah bezeichnet werden kann - jeweils das Ergebnis der herrschenden Klimabedingungen ist, lassen die rekonstruierten Vegetationsverhältnisse wiederum Rückschlüsse auf die einzelnen Wasserhaushaltskomponenten zu den jeweiligen Zeiten zu.
Das Aktualmodell ist als modulares System unter Einsatz eines Geographischen Informationssystems aufgebaut.



Ethnotourismus - Wahrnehmungen und Handlungsstrategien der pastoralnomadischen Himba (Namibia). Ein hermeneutischer, handlungstheoretischer und methodischer Beitrag aus sozialgeographischer Perspektive (DFG-Graduiertenkolleg "Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung in Afrika, Universität Würzburg)
Dr. Eberhard Rothfuß
1999 - 2002
Himba - die "roten Nomaden" der Halbwüsten und Trockensavannen des nordwestlichen Namibia - geraten seit der Unabhängigkeit im Jahre 1990 mehr und mehr in das Blickfeld des globalen Tourismus. Die halbnomadischen Rinderhirten bedienen dabei aufgrund ihres exotisch anmutenden Aussehens und ihrer kulturellen Praxis die Sehnsüchte der Reisenden aus Industrieländern nach einem ungestörten, "authentischen" und im Einklang mit der unwirtlichen Natur lebenden "Urvolk".
Diese Reiseform, auch als Ethnotourismus bezeichnet, ist ein exklusives und prestigeträchtiges Nischenprodukt des Entwicklungsländertourismus und war Gegenstand des Dissertationsprojektes. Dieses analysierte die sozialen und räumlichen Dimensionen und Auswirkungen des Tourismus auf die Lebenswelt der Himba.
Dabei wurde eine Betrachtungsweise angewendet, die in der geographischen Tourismus- und Nomadismusforschung bisher weitgehend vernachlässigt wurde: Die Studie folgte einem wissenschaftstheoretischen Ansatz einer interkulturellen Hermeneutik (vgl. SUNDERMEIER 1996), der die Wahrnehmungsmuster, Denk- und Handlungsschemata der Halbnomaden unter dem Einfluss des Tourismus untersuchte. Die Perspektive der "Bereisten" stellte die zentrale Analysekategorie dar. Es sollten die Himba selbst zu Wort kommen, um ihre Erfahrungen mit und ihre Erwartungen von der neuen "Ressource" Tourismus kundzutun. Dieser emische Zugang gewährleistete, dass die "touristischen Objekte" aus ihrem Schattendasein als statistische Größen, klischeebehafteter "edler Wilder" und ihrer allzu oft zugeschriebenen Opferrolle herausgelöst werden und als strategisch handelnde Subjekte begriffen werden konnten, die durch ihre sozioökologische Wirtschafts- und Kulturweise (vgl. SCHOLZ 1995) jedoch gesellschaftlich wie räumlich fest verankert sind.
Die methodisch dem Paradigma der qualitativen Sozialforschung verpflichtete empirische Studie war dabei in die kulturübergreifende "Theorie der Praxis" von BOURDIEU (1979, 1998) eingebunden und wurde als dispositionelle Handlungstheorie mit den zugehörigen Konzepten von Habitus, Feld und Kapital begründet.



Scale dependent aspects of plant diversity in semiarid high mountain regions
Dr. Friederike Grüninger
2000 - 2004
Die Hochgebirge der Erde zeichnen sich generell durch eine erhöhte Artenvielfalt gegenüber ihrem Umland aus und werden aufgrund dessen seit geraumer Zeit als "Hotspots" der Phytodiversität angesehen. Vor allem dem Faktorenkomplex "Höhe" kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu: mit zunehmender Höhe ändern sich nicht nur abiotische und biotische Standortparameter, es ergibt sich außerdem auch eine charakteristische Abfolge und Durchdringung von zonalen Störungsregimen und dynamischen Prozessen. Die daraus resultierenden Diversitätsmuster sind von immenser Vielfalt, da sie natürlich nicht nur räumlichen sondern auch zeitlichen Sukzessionszyklen oder -reihen unterworfen sind und sich mit dem Maßstab der Betrachtung ändern. Als logische Konsequenz daraus können wichtige Steuergrößen der Vielfaltsmuster durch eine veränderte Auflösung in den Hintergrund treten oder erst ihre wahre Bedeutung zeigen.
Die Forschungsarbeit versuchte aufgrund dessen einen Mittelweg zu gehen und theoretische Ansätze mit sehr detaillierten Daten zu verifizieren. In drei Hochgebirgen im semiariden Südwesten der Vereinigten Staaten (White Mts, CA; Spring Mts., NV; Snake Range, NV) wurden Vegetationsdaten entlang der Höhengradienten aufgenommen. Die dabei verwendete Arbeitsmethode sollte Fragen zur Vielfalt von Gefäßpflanzen in semiariden Hochgebirgen bearbeitbar machen, vergleichende Beobachtungen zwischen den untersuchten Gebirgen erlauben und die Ergebnisse so gut als möglich statistisch untermauern. Das Hauptaugenmerk des Vortrags richtete sich dabei auf folgende Fragen:



Wissen und Macht - regionale und soziale Disparitäten des Ausbildungs- und Qualifikationsniveaus ethnischer Minderheiten in den USA
Prof. Dr. W. Gamerith
1996-99
gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Das Projekt ist im Überschneidungsbereich von Bildungsgeographie, Sozialgeographie, Minoritäten- und Arbeitsmarktforschung angesiedelt. Im Mittelpunkt des Interesses stehen vor allem zwei Fragestellungen. Erstens war das Schulwesen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl in Europa als auch in Amerika eines der wichtigsten Instrumente zur Schaffung einer "kulturell homogenen Nation", so dass es auch immer wieder bewusst zur zwangsweisen Assimilation und nicht selten auch zur Unterdrückung ethnischer Minderheiten eingesetzt wurde. Die in Schulen zu verwendende Unterrichtssprache war in sprachlich gemischten Gebieten schon im 19. Jahrhundert ein Hauptgrund für Nationalitätenkonflikte und hat in neuester Zeit weltweit wieder eine hohe Brisanz erhalten (in den USA etwa unter den Hispanics und den Indianern).
Zweitens war eine hohe Ausbildung für verschiedene Minderheiten das wichtigste Mittel für einen sozialen Aufstieg. Deshalb verwundert es nicht, dass ethnische Minderheiten in vielen Ländern sowohl an der Spitze als auch an der Basis der Qualifikationspyramide überdurchschnittlich stark vertreten sind. Je mehr das Ausbildungsniveau und die berufliche Qualifikation den Zugang zu begehrten Berufen steuern, umso mehr kann ein überdurchschnittliches oder unterdurchschnittliches Ausbildungsniveau von Minderheiten zum Konfliktpotential werden. Fehlende Schulbildung wird auch als ein wichtiges Argument verwendet, um die bestehende soziale Diskriminierung einzelner Ethnien zu rechtfertigen. Aus all diesen Gründen sind hohe Dropout-Quoten und geringe schulische Leistungen ein fester Bestandteil im Teufelskreis der Armut. Auch die Segmentierung des Arbeitsmarktes wird in den USA und anderen Ländern einerseits durch das Ausbildungsniveau, andererseits durch die Zugehörigkeit zu einzelnen ethnischen Gruppen bestimmt. Die in diesem Projekt verfolgten Sonderauswertungen der Volkszählung und zahlreicher anderer Datenbestände dokumentieren erstmals den Anteil verschiedener ethnischer Minoritäten in detailliert aufgeschlüsselten Berufsgruppen und Hierarchieebenen des Arbeitsmarktes in der räumlichen Dimension. Zudem werden Zugangsbarrieren sowie Karriereverläufe von hochqualifizierten Angehörigen verschiedener Minderheiten untersuchen. Das Projekt befasst sich besonders auch mit der Basis der sozialen Schichtung und weist anhand der Dropout-Quoten, der unterschiedlichen Ausstattung und Finanzierung der Schulen sowie der unterschiedlichen Qualifikationen des Lehrkörpers nach, wie sehr Armut und Slumbildung mit dem Faktor Schule und Ausbildung verknüpft sind bzw. wie schwer dieser Zusammenhang in den USA zu durchbrechen ist. Eine Analyse des Schulwesens, des Bildungsverhaltens und der schulischen (akademischen) Leistungen von Minderheiten sowie der schulpolitischen Leitbilder und Maßnahmen des "Mehrheitsvolkes" ist in der heutigen meritokratischen Gesellschaft wohl einer der erfolgversprechendsten Ansätze, um die soziale und ökonomische Situation von ethnischen Minderheiten zu erfassen und zu erklären.
Die Wechselbeziehungen zwischen Wissen und Macht, eine Frage, der viele Philosophen (von Nietzsche bis Foucault) nachgegangen sind, sind nicht nur für die Minderheitenforschung, sondern für viele andere Fragestellungen der Geographie (Städtesysteme, office industry, Konzentration von headquarters, etc.) von zentraler Bedeutung. Dieser Ansatz ist sowohl funktional als auch konfliktorientiert anzuwenden und damit für die Makro- und Mikroebene gleichermaßen brauchbar.


Pflanzen auf schuttbedeckten Gletschern - wandernde Kuriositäten
Prof. Dr. M. Richter (FAU Erlangen, DFG-Projekt RI 370/13-1), Dr. Thomas Fickert, Dr. Friederike Grüninger
2001 - 2002
Das abgeschlossene Projekt beschäftigte sich mit Pflanzenbewuchs auf einem ungewöhnlichen Standort, nämlich auf schuttbedeckten Gletschern. Obwohl kurios anmutend, scheinen solche "Wanderbiotope" weitaus häufiger vorzukommen, als allgemein bekannt ist.
Neben Aspekten der floristischen und strukturellen Diversität sowie der räumlichen Muster der Pflanzenverbreitung wurden Fragen zu Wanderungsstrategien, Wurzelcharakteristika, Herkunft und Ausbreitungsökologie angeschnitten. Das Projekt führte aber vor allem zu der spannenden Frage, inwieweit solche schuttbedeckten Gletscher den Nunatakern als mögliche Refugialräume für Pflanzen während der Eiszeit hinzugesellt werden können. Denn während die Nunatak-Theorie alleine nur einen sehr begrenzten "Überwinterungsraum" für Pflanzen anbietet, würde die potentielle Rückzugsfläche nach den dargelegten Vorstellungen durch die schuttbedeckten Gletscher erheblich vergrößert.

Projekt Passauer Christkindlmarkt
Dr. Eberhard Rothfuß & Thomas Nirschl M.A.
2004
"Gefragt ist deshalb ein Ort, der diese klassischen Klischees zu bedienen vermag, aber vor allem für alle Passauer und seine Besucher eine traumhafte und unvergessliche Atmosphäre bietet, die einem das Abtauchen in die anheimelnde Adventszeit ermöglicht. Es liegt deshalb nahe auf einen Ort zurück zu greifen, der diese Attribute erfüllt und ganz nebenbei einer der schönsten Plätze nördlich der Alpen ist, nämlich auf den Passauer Domplatz."
(Passau Event GmbH)
Der Domplatz in der Passauer Altstadt ist in diesem Winter 2004 erstmals Veranstaltungsort des "neuen" Passauer Christkindlmarktes. Mit den oben genannten Aspekten sind seitens der Veranstalter von der Passau Event GmbH zahlreiche Erwartungen an die neue Atmosphäre des Domplatzes verknüpft. Gleichzeitig stellt die konzeptuelle und organisatorische Umsetzung des neuen Passauer Christkindlmarktes für alle Betroffenen eine "Stunde Null" dar, deren genaue Auswirkungen noch nicht bekannt sind. In diesem Zusammenhang treten zahlreiche Fragen in Erscheinung:
Wie wird der Freiluftchristkindlmarkt am Domplatz im Vergleich zum alten Standort in der Nibelungenhalle von den Besuchern angenommen? Inwiefern trägt das bauliche Ensemble am Domplatz zu einer weihnachtlichen Verfaßtheit der Besucher und Standbesitzer bei? Wie wird das "neue" Konzept dieses Christkindlmarktes, welches sich in Städten wie Nürnberg, Regensburg, Linz etc. schon jahrelang bewährt, umgesetzt, und wie ist die Akzeptanz seitens der Standbesitzer? Handelt es sich bei dieser Konzeption um einen Event mit Erfolgscharakter? Welche Probleme treten im Umfeld des Domplatzes auf? (z.B. Verkehrsaufkommen) ...
In Kooperation mit der Passau Event GmbH versuchen die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Eberhard Rothfuß und Thomas Nirschl M.A. vom Lehrstuhl für Anthropogeographie der Universität Passau in Form eines Geländepraktikums mit dem Titel "Pilostudie: "Der neue Passauer Christkindlmarkt am Domplatz als Event." - Konzeption, Durchführung und Auswertung" unter Mitwirkung von 16 Studierenden zur Klärung einiger dieser Fragen beizutragen. Von beiden Seiten wird eine enge Zusammenarbeit bewußt gefördert und unterstützt. Der Lehrstuhl für Anthropogeographie wird seinen Beitrag mit einer wissenschaftlichen Expertise dazu leiseten. Übergeordnetes Ziel der Kooperation ist es, bestehende Strukturen und Potentiale der Stadt Passau effektiver zu nutzen, und die Zusammenarbeit in eine nachhaltige Symbiose zu überführen.
Wasserhaushalt eines neotropischen Tieflandregenwaldes
Prof. Dr. D. Anhuf & Dr. R. T. Rollenbeck
Das DFG-Forschungsprojekt "Wasserhaushalt eines neotropischen Tieflandregenwaldes" untersucht klimahydrologische Verhältnisse im amazonischen Regenwald am Oberlauf des Orinoco im Süden Venezuelas. In Fortsetzung der Untersuchungen zum Energiehaushalt werden im Rahmen dieses neuen Projektes die vorhanden mikrometeorologischen Messungen weitergeführt und durch Messungen zum Wasserhaushalt ergänzt.
Diese Messungen umfassen:Messung, Klassifikation und Modellierung von Freiland- und Bestandsniederschlag sowie Interzeption und Stammabfluss; Messung von Bodenfeuchte, Grundwasser und Oberflächenabfluss;
Berechnung und Messung der Evaporation und der Transpiration des Bestandes sowie die zugehörigen mikroklimatische Bedingungen.
Die produzierten Daten dienen als Basis für die Erstellung eines Simulationsmodell des Kleineinzugsgebietes des Untersuchungsraumes. Die zeitlich und räumlich hochaufgelösten Daten der zweijährigen Messkampagne werden ausserdem integrativ im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes "Towards an understanding of the structure and function of a neotropical rainforest ecosystem with special reference to its canopy" genutzt. Zu diesem Zweck werden moderne GIS-Methoden benutzt, die eine Synthese der unterschiedlichen Daten erlauben.



Phytogeographische Untersuchungen als Mittel zur Beurteilung der hygrothermischen Bedingungen in Hochgebirgen - Eine Fallstudie im Südwesten der USA.
Dr. Thomas Fickert
1999 - 2004
Weltweit nehmen Hochgebirge als "Wassertürme" der Erde eine Schlüsselfunktion für das Überleben der Bevölkerung in den besiedelten Tiefländern ein, insbesondere in (semi)ariden Regionen. Wasserverbrauch und Wasserverfügbarkeit stehen jedoch häufig nicht im Gleichgewicht, was zum großen Teil aus der geringen Kenntnis der klimatischen Bedingungen der Hochgebirge resultiert. Auch wenn generell eine Temperaturab- und für die Außertropen eine Niederschlagszunahme mit der Höhe nicht bezweifelt werden, sind exakte Werte oft unbekannt. Der Großteil der Klimastationen liegt in den besiedelten Tiefländern, während Stationen in den Hochlagen aus Kostengründen und aufgrund technischer Schwierigkeiten auch heute noch die Ausnahme darstellen.
Eine unmittelbare kausale Beziehung zwischen Klima und Vegetation wurde bereits vor über 200 Jahren von Alexander von Humboldt erkannt. Zahlreiche Studien haben seit dieser Zeit den bedeutenden Einfluss des Klimas auf die Vegetation eines bestimmten Raumes aufgezeigt.
Insgesamt 22 Transekte in verschiedenen Gebirgen der südwestlichen USA (etwa zwischen 31°N und 41°N sowie zwischen 109°W und 122°W) dienen als Grundlage für statistische Analysen der Vegetationsdaten (Artenzusammensetzung, Lebensformzusammensetzung, plant functional types, Deckungswerte, ...) in Abhängigkeit von Klimaparametern wie Niederschlag, Temperatur, Anzahl arider/humider Monate, etc., wobei sich das relativ dichte Netz an Klimastationen in den USA als sehr hilfreich erweist. Die untersuchten Gebirge wurden so gewählt, dass unterschiedliche klimatische Regionen (vollhumid bis vollarid, typisch mediterran in der Sierra Nevada und zunehmender "monsunaler" Einfluss in Richtung Südosten des Untersuchungsraumes) abgedeckt werden, um eine Klimainterpretation auf floristischer und pflanzenmorphologischer Basis entlang von vertikalen, longitudinalen und latitudinalen Gradienten zu ermöglichen.
Energiehaushalt eines neotropischen Tieflandregenwaldes (Surumoni/Venezuela) und Wechselwirkungen mit dem Wasserhaushalt
Prof. Dr. D. Anhuf & Dr. J. Szarzynski
Ziel dieses Forschungsprojektes war die Erfassung und Auswertung klimatologischer Daten der Energiebilanz. Dazu wurden die folgenden Messwerte über einen Zeitraum von zwei Jahren erfasst:
vertikale Gradienten von Temperatur, Luftfeuchte als Grundlage zur Berechnung eines Modells der turbulenten Austauschvorgänge von fühlbarer und latenter Wärme (Atmosphäre, Vegetation, Boden).
Mikroklimatische Strukturen und Gradienten im Bestand Berechnung der Gesamtenergiebilanz aus Strahlungs- und Wärmehaushalt zur Ermittlung der potentiellen Evapotranspiration
Ein methodischer Ansatz der bereits begonnenen Arbeit ist einerseits die Messung komplexer klimatischer Parameter im Feldeinsatz mit geringem finanziellen Aufwand, andererseits die Analyse der Daten mit existierenden Modellierungstechniken zu Verdunstung und Bodenwasserhaushalt unter Einsatz von Geographischen Informationssystemen.