Lehrstuhl für Digital Humanities
Was sind Digital Humanities?

Was sind Digital Humanities?

Die Digital Humanities verstehen sich als ein interdisziplinäres Forschungsfeld an der Schnittstelle zwischen Kulturwissenschaften und Informatik. Ziel der Digital Humanities ist es, mit Hilfe digitaler Methoden neue Erkenntnisse in den Geistes- und Kulturwissenschaften zu gewinnen.

Das Internet hat sowohl die Verfügbarkeit von Daten revolutioniert als auch neue wissenschaftliche Kommunikations- und Publikationsformen hervorgebracht. Diese wachsende Menge digital verfügbarer Texte, Bilder, Videos, Tonaufnahmen ect. erfordert jedoch neue Herangehensweisen, um aus ihnen wissenschaftliche Kenntnisse zu gewinnen. Deshalb werden die traditionellen Methoden des Lesens und Interpretierens linearer Texte zunehmend um auf Algorithmen basierende und von Computern ausgeführte Methoden ergänzt.

Durch diese Vorgehensweise können neue Forschungsfragen formuliert oder auch bekannte Fragen der Geistes- und Kulturwissenschaften aus neuartigen Blickwinkeln betrachtet werden. Nicht zuletzt entstehen durch die technologische Entwicklung neue forschungsrelevante soziokulturelle Phänomene (z. B. soziale Online-Netzwerke). Diese haben die Besonderheit, dass sie – anders als nachträglich digitalisierte Objekte wie mittelalterliche Handschriften – von Beginn an in digitaler Form auftreten.

Praxisbeispiele

Der Professor, der verkündete: Es ist J. K. Rowling!

Wer ist Robert Galbraith? Unter diesem Pseudonym erschien 2013 der Detektivroman "The Cuckoo's Calling". Nun konnte mit Methoden der Digital Humanities nachgewiesen werden, dass Robert Galbraith in Wahrheit J. K. Rowling ist -- die Schöpferin der so erfolgreichen Harry-Potter-Romane. Lesen Sie hier, wie Patrick Juola mit quantitativen Verfahren der Textanalyse (Stilometrie) der Autorin auf die Schliche kam: The Professor Who Declared, It's J.K. Rowling" (The Chronicle of Higher Education, 29. Juli 2013).

1.200 Texte in einem Semester

Matthew L. Jockers ist der vielleicht erste Professor für Englische Literatur, der 1.200 Erzählungen in einem einzigen Semester behandelt. Doch die Studierenden haben Glück: Sie müssen all diese Texte nicht lesen – Big Data, nicht nur bei den Geheimdiensten. Denn diese operieren mit Methoden zur Erkennung von Mustern, Strukturen und Zusammenhängen, wie sie auch die Digital Humanities entwickeln: "The Humanities go Google" (The Chronicle of Higher Education, 28. Mai 2010)

Alle Wege führen nach Rom

Alle Wege führen nach Rom. Und wie lange man heute mit dem Auto von Paris durch Frankreich und über die Alpen nach Rom braucht, berechnet der Online-Routenplaner. Aber wie weit war Caesars Marsch auf Rom 49 v. Chr.? Und auf welchen Straßen konnten er und seine Legionen sich fortbewegen? Dies lässt sich, sowie andere historische Reise- und Transportrouten, mit dem Digital Humanities-Projekt ORBIS berechnen und visualisieren: The Stanford Geospatial Network Model of the Roman World

Typische Berufsfelder

  • Traditionelle Berufsfelder der Kulturwissenschaften, die zunehmend Kompetenz im Bereich der Digital Humanities erfordern, zum Beispiel bei kulturbewahrenden Institutionen (Archive, Museen, Bibliotheken)
  • Wirtschaft und Industrie, zum Beispiel Consulting und Projektmanagement
  • Die Wissenschaften: Forschungs- und Dienstleistungsprojekte der Digital Humanities; wissenschaftliche Laufbahn im eigentlichen Sinne; alternative akademische Karrieren an Forschungseinrichtungen (Analysten, Techniker) 
  • Print-, Online- und andere Medien
  • Lehre und Fortbildung